Prof. Dr. Hans Geser

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Universität Zürich
Soziologisches Institut
Andreasstr. 15
CH-8050 Zürich

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geser@soziologie.uzh.ch

Online Publications

1. Allgemeine soziologische Theorie / General Theory
2.
Computer and digital Communication
3.
Internationale Beziehungen / International Relations
4. Religionssoziologie / Sociology of  Religion
5. Arbeit und Organisation / Work and Organization
6.
Bildungssoziologie / Sociology of Education
7. Gemeinde und Verwaltung / Community and Administration
8. Politik und Parteien / Politics and Political Parties



 



1.  Allgemeine soziologische Theorie / General Theory

  • Elementare soziale Wahrnehmungen und Interaktionen: Ein theoretischer Integrationsversuch (1996)
    Unter "kollokaler Sozialität" kann die Gesamtheit aller - offensichtlich weit über das Feld elementarer Interaktion oder primärer Gruppenkontakte hinausreichender - sozialer Verhältnisse verstanden werden, die auf der objektiven Randbedingung einer simultanen körperlichen Anwesenheit mehrerer menschlicher Personen am selben Ort beruhen. So kann eine angezielte "Theorie kollokaler Sozialbeziehungen und Systembildungen" nur auf jener überaus hohen Abstraktionslage angesiedelt werden, von der aus es ihr gelingt, den vielfältigen Formen und Zwecken der auf dieser gemeinsamen Basis errichteten Sozialverhältnisse Rechnung zu tragen und das gemeinsame Allgemeine zu formulieren, das beispielsweise eine Begegnung im Eisenbahnabteil mit der Sitzung eines Regierungskabinetts oder ein Forschungskolloquium mit einer Massendemonstration verbindet.
     

  • Elemente zu einer  Soziologischen Theorie des Unterlassens (1986)
    Da Unterlassungen (als Nichtereignisse) nicht in der Welt des Positiv-Faktischen verankert sind, müssen sie umso stärker auf der Ebene (individueller und sozialer) Erwartungen verankert sein. Deshalb besitzen sie nur eine derivierte, innrhalb eines Bezugsrahmens von Erwartungen (die natürlich undeutlich und dissensual sein können) konstituierte Existenz: was beispielsweise ihre historische Erinnerbarkeit und Reaktualisierbarkeit erschwert. Im Vergleich zu Aktivhandlungen zeichnen sich Unterlassungen überdies dadurch aus, dass sie eine geringe Spezifität (und damit: ein geringes Expressivitätspotential) aufweisen, und dass sie in unselektiver Weise  niederschwellig universell zugänglich sind. Damit kommt ihnen vor allem in modernen Gesellschaften immer mehr die Funktion zu, die  soziale Homogenität und extensive kollektive Integration der Menschen zu sichern, während Aktivhandlungen die Wirkung haben, soziale Differenzierung und Individualisierung zu katalysieren.

  • Zur Krise des Helfens in der individualisierten Gesellschaft (2001)
    "Individualisierung" bedeutet, dass immer mehr Menschen immer stärker bestrebt sind, ihre Lebensumstände und ihre persönliche Entwicklung autonom zu bestimmen. Diese Entwicklung hat fundamentale Auswirkungen auf alle zwischenmenschlichen Interaktionen, Rollenstrukturen und Institutionen und verändert in besonders drastischer Weise die Bedingungen, unter denen sich praktisch jede Form karitativer Hilfeleistung vollzieht. Im besonderen verringern sich die Möglichkeiten und Chancen wirksamen Helfens ganz allgemein, weil immer grössere Ungewissheit darüber besteht, wer wann welche Art von Bedürftigkeit aufweist und welche Art der Hilfeleistung wünscht.

  • Political Correctness: Mental Disorder, Childish Fad or Advance in Human Civilization? In: Sociology in Switzerland. Online Publications (2008)
    While Political Correctness may contribute to an advance of human civilization by promoting the inclusion of hitherto neglected minorities, cultural patterns and points of view, it reduces sharply the options to behave rationally toward our social environment: on the level of ideology as well as in the sphere of everyday action and in the realm of scientific research.

  • Wissensformen, Berufsrollen und Kooperationsstrukturen (2010)
    Berufliche Rollen lassen sich ebenso wie kooperative Arbeitsgruppen oder Organisatio­nen danach klassifizieren, welche verschiedenen Quellen des Wissens in ihnen angewendet werden. Auf der Basis der für ihre Erzeugung, Speicherung und Übermitt­lung verwendeten Mechanismen lassen sich sechs Zustandsformen des Wissens unterscheiden, die zwischen einem Pol subjektiver „Internalität“ (persönliche Intuition und Erfahrung) und einem Pol objektivierter „Externalität“ (schriftliche Regeln und materialisierte Technologien) variieren. Im Mittelfeld dieses Kontinuums befinden sich das durch  informelle Sozialisierung vermittelte Wissen sowie das formale Bildungswissen – zwei hybride Formen, die durch eine Kombination aus übersubjektiver Tradierung und subjektiver Aneignung gekennzeichnet sind. Aus der Synthese verschiedener theoretischer Propositionen und empirischer Regularitäten in der bisherigen Literatur lässt sich eine generalisierte Theorie der Wissensformen und Rollenqualifikationen  gewinnen: indem man jeder Wissensform einen Komplex von spezifischen "funktionalen Kapazitäten" zuschreibt, die sich einerseits auf Fähigkeiten zur Umweltadapta­tion und Problemlösung und andererseits auf die Herausbildung bestimmter interpersoneller Interaktionsmuster und sozialer Strukturformen beziehen. In der modernen Arbeitswelt lassen sich polarisierende Entwicklungen zu hoch internalisierten Qualifikationen einerseits und hoch externalisierten Wissensformen andererseits erkennen, zwischen denen das informelle Traditionswissen und das formale Ausbildungswissen relativ unstabile Intermediärpositionen besetzen.

 

2. Computer und digitale Kommunikation / Computer and Digital Communication

  • Computer-induced changes in intellectual and scientific work: A sociological perspective (1996)
    There is no "technological determinism" of individual behavior or social life because the way technologies are developed, implemented and used depends heavily on various mediating factors (like individual motivations, cultural values, social norm structures or institutional constraints).
    In the case of electronic information technologies, these mediating impacts are particularly strong because computers are the most universal of all human instruments: lending themselves to support an unlimited multitude of different individual activities, social interactions and cultural patterns. In accordance with this very general proposition, it has been argued above that computers are equally apt to reinforce self-centered individualism as well as networks of social communications and structures of institutionalized tradition.

  • Freiwillige Vereinigungen im Spannungsfeld konventioneller und neuer Medien  (2004)
    Digitale Computernetze sind für freiwillige Vereinigungen besonders relevant,, weil sie mit ihrer Hilfe besser in der Lage sind, ihre vielfältigen horizontalen und vertikalen Kommunikationsströme technisch gleichgewichtig zu unterstützen und in eine gesamtheitliche Kommunikationsstrategie zu integrieren, anstatt - wie häufig bisher - gemäss dem Weber-Michels’schen Oligarchieprinzip den Prinzipien zentralistischer Top-Down-Steuerung den Vorrang zu geben.. Damit unterstützen die Computernetze zusätzlich jene Dezentralisierungs- und Informalisierungsprozesse, die bereits seit dem Aufkommen der "Neuen Sozialen Bewegungen“ der späten 60er und 70er-Jahre deutlich erkennbar sind: jener polyzentrischer, uneinheitlicher Gebilde, die im Unterschied etwa zu den sozialistischen oder nationalistischen Bewegungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts keine Einheit der Ideologie und der Führung mehr kennen (und deshalb beispielsweise auch keiner massenmedialen Integration durch autoritative "Zentralorgane“ mehr bedürfen).

  • Towards a (Meta-)Sociology of the Digital Sphere  (2002)
    This article discusses the nonspatial character of cyberspace, the impact of digital media on the level of social system formation, cultural patterns and human personality, as well as their epistemological implications for the social sciences.

  • Towards a Sociological Theory of the Mobile Phone  (2004)
    By allowing spatially dispersed and moving individuals to remain integrated in communicative relationships and networks, the mobile phone has many implications for the social environment in of human beings, for the processes of interpersonal coordination as well as for the operation modes and boundary regulation of groups, organizations and societal institutions. While facilitating highly decentralized bilateral communications, mobile phones subvert multilateral (e. g. communal) collectivities as well as highly formalized modes of preplanning and bureaacratic organization.
    Nevertheless, the formulation of determinative causal propositions (or even precise forecasts) is severely hampered by the fact that, in sharp contrast to industrial machinery, cell phones (like Personal Computers, PDA's etc.) belong to the class of empowering technologies which are likely to amplify (instead of to reduce) psychological, social and cultural divergences, because of their capacity to be used for different purposes in any sphere of life.

  • AOL-MIT® or Humboldt redivivus? The promises and illusions of virtual academic education (2001)
    Given the pluralistic and decentralized structure of modern universities, the new digital media are implemented in highly divergent ways: thus amplifying the variety and variability of teaching and learning procedures within academic institutions. While “upward digitalization” leads to standardized educational software likely to be developed and distributed by the most influential and potent economic firms and academic institutions (particularly from the US). “Downward digitalization” leads to an empowerment of students by giving them more options to contact teachers, participate in the cooperative production of knowledge, and publish their own works. But they pay for it by a loss of social embedment and of all the “latent” functions traditional residential campuses and face-to-face teaching provide. While academic teachers experience double threat of their traditional status position, they are not likely to become jobless, but they have to adapt by shifting their roles from knowledge transmission to more auxiliary (e. g. supportive and guiding) functions.

  • The System of Public Media in Transition. Some contemporary "Megatrends" and their Implications for Social Theory and Research (1997)
    Digitalization and computer networking give rise to a more complex media system in which conventional mass media and new computer media will specialize on complementary functions. In addition, they will enter into new relationships of symbiosis and mutual support. Mass media will articulate the integrative aspects of society: providing widespread common experiences, homogenizing opinions, offering intellectual leadership, transmitting information generated at top levels of societal institutions. They try to focus public discussions on single salient topics and create a strong "public opinion" able to influence societal developments and political decision making. Contrarily, computer media will express aspects of cultural heterogeneity and social complexity: constituting an ever growing "variety pool" of informations and views hitherto not available within the public sphere. They give rise to a multitude of volatile "weak publics" (Nancy Fraser) deliberating on a broad spectrum of (also quite "unpopular") issues at the same time.

  • On the Functions and Consequences of the Internet for Social Movements and Voluntary Associations (2001)
    Voluntary associations are particularly prone to embrace the new Net technologies, because on the basis of these new tools, they are better able to be what they always aspired to be: democratically constituted collectivities relying on a complex interplay between internal and external, vertical and horizontal, upward and downward, informal and formal, bilateral and multilateral communications. As the most flexible, adaptive of all media - the Internet has very different functions and consequences under different environmental conditions, so that it can be fitted into almost existing socio-cultural settings and is more likely to consolidate and strengthen them than to act as a causal agent of change. Likewise, the conclusion is warranted that primary face to face interactions as well as conventional mass media communications will not become obsolete with expanding computer-supported interactions. On the contrary, they may have to be expanded and intensified before the full potentials of online communication can be exploited.

  • Das Internet: Globaler Strukturwandel dank globaler Kommunikation? (1996)
    Die Bedeutung der Digitalisierung besteht darin, dass sämtliche Informationen in identische Elementarbausteine (bits) zerlegt werden: unabhängig davon, ob es sich auf der Makroebene um Sprache, Schrift, Töne, Bilder, Videosequenzen, Zeichnungen handelt.
    Dadurch sind die Grundlagen erzeugt, um potentiell
    1. alle bisher in separierten Kanälen transportierten Kommunikationen (z.B. Briefwechsel, Telephonate, Gruppendiskurse, Buchveröffentlichungen und offizielle staatliche Verlautbarungen) innerhalb desselben Mediums zu prozessieren und deren die wechselseitige Permeabilität sicherzustellen;
    2. verbale, auditive und visuelle Ausdrucksformen bisher in einen einzigen kommunikativen Kosmos einzuschliessen;
    3. allen Teilnehmern in identischer Weise die Fähigkeit zu vermitteln, in selbstgewählter Weise und ohne zeitlich-räumliche Beschränkungen in beliebigen Kommunikationsrollen (d.h. als Rezipienten, Emittenten, Diskussionspartner usw.) zu agieren.

  • Metasoziologische Implikationen des "Cyberspace" (1998)
    1) Die Online-Welt ist eine "weiche" Sozialwelt, in der physische Gegebenheiten (wie Raum, Zeit, materielle Objekte u.a.) weniger stabilisierende und komplexitätsreduzierende Wirkungen als in der Realwelt entfalten.
    2) Der Mangel an exogen-physischen Restriktionen hat zur Folge, dass ein umso höherer Bedarf nach endogenen, (d. h. auf psycho-sozialer und kultureller Ebene erzeugten) Strukturbildungen entsteht.
    3) Eine Hauptfunktion der Online-Welt besteht darin, die Gesellschaft durch eine Sphäre "semi-fluider", intentional gestaltbarer und reversibler (a) kultureller Artefakte (b) personaler Rollen und Identitäten und (c) sozialer Interaktions- und Strukturformen zu bereichern, die zur Realwelt in einem teils kompensativen, teils konfliktiven Verhältnis stehen.
    4) Die Online-Welt ist eine "hypersoziale" Sphäre, die manchen idealisierten Konzepten, Modellen und Theorien der bisherigen Soziologie approximativ besser als die Realgesellschaft entspricht.

  • Auf dem Weg zur "Cyberdemocracy"? Auswirkungen der Computernetze auf die öffentliche politische Kommunikation (1996)
    Die weltweiten Computernetze bilden eine infrastrukturelle Grundlage, um dem hoch institutionalisierten und sich weltweit zentralisierenden System konventioneller Massenmedien ein informelleres und dezentralisierteres Korrektiv entgegenzusetzen. 
    Ihre wohl tiefgreifendste Wirkung besteht darin, allen Nutzern einen niederschwelligen Zugang zu einem globalen Informations- und Kommunikationssystem zu verschaffen, in denen sie sich in selbstgewählter Weise nicht nur als Rezipienten, sondern auch als Kommunikationspartner und als Publizisten betätigen können. Deshalb erscheint die Schlussfolgerung gestattet, dass die seit der Aufklärung vorgetragenen utopistischen Forderungen nach einer "rationalen kommunikativen Öffentlichkeit" zum erstenmal in der Geschichte gewisse Verwirklichungschancen gewinnen, und dass die Tätigkeit der gewählten Behörden endlich jene Transparenz erhält, die im Konzept des demokratischen Rechtsstaat schon immer mitgedacht, aus technisch-organisatorischen Gründen aber bisher nicht realisierbar war. Allerdings ist bereits heute sichtbar, dass es sich bei dieser gleichzeitig inklusiven und dezentral-kommunikativen Öffentlichkeit um ein zerklüftetes Feld fragmentierter und widerstreitender "Teilöffentlichkeiten" handeln wird, die wenig Neigung und Fähigkeit besitzen, eine massierte und konvergente (und damit: politisch relevante) "öffentliche Meinung" aus sich heraus zu generieren. Gerade dadurch mögen die Computernetze indirekt wiederum zur Verstärkung zentralistisch-institutioneller Integrationskräfte beitragen: indem im Zuge ihrer Entfaltung ein immer dringenderes Bedürfnis nach übergreifenden Autoritäts- und Führungsinstanzen entsteht, die fähig sind, im Dickicht der Netze Orientierung zu vermitteln.

  • Das Schlaraffenland des Informationszeitalters? (1996)
    Als ungeplante technische "Makroinnovation" das Internet überall in Kultur und Gesellschaft überraschend neue Entwicklungsperspektiven. Es unterstützt vor allem dezentrale und raumunabhängige Kommunikationsprozesse, die im Zuge der Deregulierung , Individualisierung und Globalisierung einerseits ohnehin im Gange sind, andererseits aber mit etablierten zentralistischen Strukturen in ein Spannungsverhältnis treten.

  • Wiederbelebung vergessener Traditionen oder Aufbruch ins Dritte Jahrtausend? Neue Chancen politischer und regionaler Identität im Internetzeitalter (1997)
    Das Internet begünstigt die Selbstartikulation von subnationalen und transnationalen Gebietskörperschaften, Vereinigungen und Kollektiven, die unter dem restriktiven Regime konventioneller Massenmedien bisher keine genügenden Publikationschancen hatten. Dadurch fördert es den Trend zu reversibel wechselnden politischen Identifikationen, die auf nationalstaatliche Grenzen keine Rücksicht nehmen.

  • Die Neuerfindung der politischen Öffentlichkeit. Das Internet als selbstevolutive Plattform der Medienentwicklung und des sozio-politischen Wandels (1998)
    Im Internet sind neuerdings embryonale Ansätze zu einer neuen politischen Oeffentlichkeit zu erkennen, die sich auf alle Aspekte politischer Kommunikation erstrecken. Insbesondere scheint - in allerdings sehr veränderter Form - wieder eine Art "Meinungspresse" zu entstehen, die in den Printmedien in den letzten Jahrzehnten praktisch verschwunden ist. Die Medienwissenschaften sind aufgefordert, diese Entwicklungen in globaler Kooperation zu verfolgen und aus ihren Analysen konstruktive Schlussfolgerungen für die Realisierung einer gleichzeitig demokratischen, rationalen und einflussreichen politischen Oeffentlichkeit zu ziehen.

  • Die funktionale Bedeutung der Computernetze für assoziative Vereinigungen und Verbände (1998)
    Das Internet muss als eine für Vereinigungen und Verbände besonders bedeutsame und nützliche Innovation betrachtet werden, weil es alle Formen bi- und multilateraler, horizontaler und vertikaler, formeller und informeller, öffentlicher und vertraulicher Kommunikation in gleichem Masse technisch unterstützt und erlaubt, sie alle - kostengünstig, speditiv und in beliebigem Umfang - im selben Medium stattfinden zu lassen. Im besonderen dient es als Integrationsmedium für geographisch weit verstreute und/oder unregelmässig mobile Verbandsmitglieder, ermöglicht die Expansion punktuell-peripherer interorganisationeller Beziehungen und fördert die Dezentralisierung und Individualisierung des inner- und zwischenverbandlichen Wandels. 

  • Copyright oder Copy left? Prekäre immaterielle Eigentumsverhältnisse im Cyberspace (1999)
    Mit dem Konzept der „Disintermediation" wird das allgemeine Phänomen ausgesprochen, dass durch das Internet der Bedarf nach intermediären Akteuren abnimmt, weil Käufer und Verkäufer besser in der Lage sind, direkt miteinander in Beziehung zu treten. Für das Publikationswesen bedeutet dies z. B. dass Autoren zumindest in technisch-organisatorischer Hinsicht keine Verlagsorganisationen, Druckereien oder Transportunternehmungen mehr benötigen, um irgendwelche Inhalte in die Sphäre der Öffentlichkeit zu befördern und zeitgerecht an zahlreiche Rezipienten zu verteilen; und dass Rezipienten auch ohne die editorischen Vermittlungsleistungen von Journalisten und Redaktionen zu einschlägigen Informationen gelangen. Als Folge davon kommen die Copyright-Gesetze aus zwei Gründen in eine Krise:
    1) weil ihre Durchsetzbarkeit schwieriger wird, da es im digitalen Zeitalter mit immer geringerem Aufwand möglich ist, geschützte Werke zu kopieren und weltweit zu verbreiten, und
    2) weil sie umgekehrt weniger nötig sind, da auf der Basis genau dieser Digitalisierung auch ganz neuartige technische Möglichkeiten zum Copyright-Schutz entstehen, die im bilateralen Verhältnis zwischen Autor und Rezipient (d. h. ohne Inanspruchnahme des Staates als intermediärem Akteur) zur Anwendung gebracht werden können.

  • " Yours Virtually Forever". Death memorials and Remembrance Sites in the WWW (1998)
    Among the innumerable unintended effects of global computer networks on society and culture, some will certainly be related to our activities and cultural patterns related to dying, death and remembrance. Virtual memorial sites may become more developed and widespread not because they overturn deeply anchored beloved customs and traditions, but because they simply support, amplify and catalyze several developments already under way for decades: these trends bring death-related thoughts, emotions and activities more in line with the general tendencies of contemporary socio-cultural change: e. g. with increasing individualization and personal participation, and with the growing informalization and secularization of ritual behavior.

  • Ueber die wachsende Rückständigkeit der Massenmedien im Internetzeitalter (2000)
    Presse, Film, Radio und Fernsehen haben nämlich gemeinsam, dass sie nur für radiale Einwegkommunikation (von einem Sender zu vielen passiven Empfängern) geeignet sind und deshalb in fataler Weise dazu tendieren, durch Werbung, Propaganda (oder einfach durch selektive Auswahl des Dargebotenen) den Einfluss von Eliten und die Autorität zentralistischer Machtstrukturen zu unterstützen. Im Lichte dieser Situation richten sich heute berechtigte Hoffnungen auf die neuen weltweiten Computernetze, deren Hauptfunktion ja darin besteht, ihren Nutzern unabhängig von Ort, Zeit und sozialen Kontrollen äusserst niederschwellige Möglichkeiten zur Selbstdarstellung in der globalen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Andererseits wäre es aber naiv, sich vom Internet die rasche Lösung aller genannten Probleme zu erhoffen, weil es momentan noch viel zu sehr von den traditionellen Medien kolonisiert ist und von traditionellen Rezipienten in Anspruch genommen wird, die ihre bisherigen Sende- und Empfangsgewohnheiten im Netz weiterpflegen und vorderhand noch wenig Neigung (bzw. Fähigkeiten) besitzen, alle neuen Möglichkeiten, die der „online jounalism" eröffnet, voll zu nutzen. 

  • Der Nationalstaat im Spannungsfeld sub- und transnationaler Online-Kommunikationen (2004)
    Das Internet die Chancen des Nationalstaats, innere und äussere Kommunikation zu kontrollieren, und die (bisher dominierende)  nationale Oeffentlichkeit wird vermehrt von sub- und transnationale Teilöffentlichkeiten konkurrenziert. So können binnennationale Fragmentierungen verstärkt werden, im Ausland lebende Staatsangehörige können an Einfluss gewinnen, und es können nichtterritoriale Kollektive in den Vordergrund treten, die ihre Identität auf ethnisch-religiöse Traditionen oder auf globale Bewegungsideologien abstützen und ihre Machtstellung nicht über Territorialstaatlichkeit, sondern über effizient koordinierte Netzwerkaktivität entfalten. Generell unterstützt das Internet die weltweiten Trends zur territorialen Fragmentierung und ethnisch-religiösen Pluralisierung, die seit 1989 ohnehin stärker geworden sind; und es steigert die Konfliktfähigkeit organisationsschwacher nichtstaatlicher Gruppen, wie sie heute an fast allen kriegerischen Auseinandersetzungen mitbeteiligt sind.

  • Das Internet und die parteiinterne Demokratie (2003) 
    Die neuen digitalen Informations- und Kommunikationsmedien haben im Bereich der Schweizer Lokalparteien bereits eine erstaunlich breite Anwendung gefunden. Mehr als 30% aller Ortsgruppierungen sind auf dem WWW mit einer eigenen Homepage vertreten, und bei mehr als 76% von ihnen hat sich die E-Mail als neues Kommunikationsmedium eingebürgert: in erster Linie als Arbeitsinstrument des Parteivorstands, in zweiter Hinsicht als umfassendes Integrationsinstrument zwischen Führung und Mitgliederbasis. Die Resultate weisen darauf hin, dass die neuen Kommunikationsmedien die Einflussverhältnisse in den Parteien mitbeeinflussen könnten. Vor allem scheinen kollektive Führungsgremien („Parteivorstände“) in der Lage zu sein, die Onlinekommunikation zur Steigerung ihrer Beratungs- und Entscheidungskapazitäten (und damit: zur Erhöhung ihrer Autoritätsstellung) zu nutzen – ohne dass sich aber dadurch die Einflussstellung der übrigen Organe im gleichen Masse verringert.

  • The Internet and internal Party Democracy (2006)
    In a large sample of Swiss local party sections, it is found that the extensity of Email usage correlates with patterns of intraparty influence distribution. On the one hand, executive boards exert more power when they rely internally on electronic communication; on the other hand, vertical email traffic (between leadership and ordinary members).promotes small power shifts in favor of the party assembly and the active members. Thus, online communication adds to the conventional power effects associated with the frequency of assemblies and meetings.

  • Computers and computer networks as catalysts of intraorganizational decentralization (2006)
    In a large sample of Swiss enterprises, the extensity of It usage is found to be associated to many intraorganizational characteristics:
    1) Job Enrichment. At least in higher skill environments, employees are typically confronted with a larger variety of tasks.2) Decentralization. Vis-à-vis their supervisors, rank and file workers exercise more influence on all major aspects of the work process: on the distribution of tasks as well as on the specification of work procedures, the pace of work and the interaction with external clients. 3) Advanced training: In firms of all size and skill categories, employees are more likely to become formally enrolled in courses of advanced training for upgrading heir work-related qualifications. 4) Personal self-guidance: There is somewhat more demand for workers able to engage in self-guided learning processes and to rely on autonomous judgment and decision.

  • Pre-teen cell phone adoption: consequences for later patterns of phone usage and involvement  (2006)    
    Starting with the observation that most kids nowadays get their first cell phone at an age or 12 or before, we ask whether such early adoption has only an accelerating effect (by causing a certain usage level to be reached earlier in life), a habitualizing impact (by stabilizing higher usage levels that persist later in life) or an inseminative influence (by instilling drives and learning processes that trigger self-amplifying processes of ever growing usage and involvement).The results consistently support the tentative conclusion that habitualizing or even inseminative influences are at work. First of all, we see very strong behavioral impacts manifested in heavier subsequent inbound and outbound usage of the mobile phone for oral calls as well as for text messages as well as in an increased passive availability for phone contacts during nights. Secondly, there are persisting consequences on the social level: causing early adopters to have wider networks of active phone partners even seven or eight years after first usage. This effect is also more pronounced among males. Thirdly, parallel effects on the attitudinal level can be observed. Thus, early adopters show higher subjective involvements with the new technology by asserting that they cannot imagine life without mobile handsets and that they consider it as an essential part of their "style of life", or that mobile communication has improved substantially their social life.

  • Are girls (even) more addicted? Some gender patterns of cell phone usage  (2006)
    While teenage boys are somewhat slower than girls to adopt the cell phone universally, they then tend to use it on the same scale. However, several gender divergences related to the ways of adoption, the modes of usage and the driving motivations of phone activities stand out. Thus, girls (especially of lower age) are much more active in exchanging text messages, why boys (particularly of older age) are emitting and receiving more audio calls. Boys also  tend to spread their phone calls over a larger number of partners, and to use their mobile for enlarging their networks Girls seem to restrict their communication to a smaller number of (more frequently contacted partners. Third, females see the phone mainly as a medium for subjective personal communication, while boys emphasize more instrumental functions Finally, significantly more women than men have assimilated the mobile phone as a central component of their personal existence.

  • Is the Cell Phone undermining the Social Order? (2006)
    While conventional mass media (and fixed phones) have primarily supported centralized, formalized organizations , households and other supraindividual systems, cell phones increase the reach and capacity of decentralized, informal systems based on interindividual interactions, thus decelerating or even reversing very long-term evolutionary trends of human society: trends toward stable, depersonalized, formalized, complex and predictable supraindividual institutions.

  • From printed to “wikified” encyclopedias. Sociological Aspects of an incipient cultural revolution (2007)
    Wiki-based open source encylcopedias have initiated a drastically new chapter in the long history of human knowledge compilation. More than their printed predecessors, they are able to adapt to the complexity and volatilität of knowledge, in modern societies, to make use of widely distributed cognitive skills and motivations, and to make decontextualized knowledge ubiquitously accessible in all human activities and societal sectors.

  • Me, my Self and my Avatar  (2007)
    More than most other web applications, Second Life illustrates the potential of the Internet to amplify the fragmentation of human personality by inducing a maniifold of "dummy identities" strictly dissociated between each other as well as from the piloting core personality behind the screen. In contrast to partialized offline identities as they emerge as correlates of "crossing social circles" (Georg Simmel), they transport only cues that are consciously intended and that are permanently amenable to intentional change. It is speculated that such "distributed personhood" is functional for freeing personal presence, interpersonal interactions and social memberships from the limitations of time and space, but that it has disintegrative effects which call for counteracting face-to-face interactions.

  • A very real Virtual society  (2007)
    Contrasting with various "virtual communities", Second Life is a genuine "virtual society" with the potential to provide a universal framework of interoperability between unlimited masses of individual as well as collective actors. By mirroring (end even amplifying) the acentrism and individualism of offline society, it suffers from precarious member motivation, conservative conventionalism, a strong focus on money, a tendency toward class formation and a conspicuous deficit in politics and the public sphere. On the other hand, it contrasts with First Life by offering malleable artifacts and situated environments which are likely to transform deeply the way people surf and interact on the Net.

  • Patterns of multi-channel communication among older teens   (2007)
    Based on a study of 1440 Swiss teenagers in 2003, higly complementary (instead of substitutive) relationships are found between the usage of various technical communication media as well as between media usage and face-to-face interactions. Males seem particularly prone to use all media channels in a complementary fashion. Among both genders, there is a particularly strong complementarity between the fixed and the mobile phone. When partners meet rarely, the communicate more by written than by oral media, particularly by SMS. By comparing older acquaintances with more recently created interpersonal relationships, it is found that the mix of media channels doesn't change significantly over time, except that the exchange of Short Text Messages declines. While to closeness of a relationship seems to be positively affected by the frequency of meetings and fixed phone calls, mobile contacts and Emails don't seem to make any consistent contribution.

  • Partnerwahl online  (2006)
    Die dreifachen Leistungsgewinne elektronischer Partnerbörsen liegen – genau wie diejenigen vieler anderer Internetapplikationen – in der Möglichkeit, aus einer stark erhöhten Vielfalt von Alternativen mit geringerem Aufwand in kontrollierterer, rationalerer Weise gewünschte Selektionen zu treffen. Je umfangreicher die Alternativen, desto potentere Verfahren der Komplexitätsreduktion müssen angewendet werden, um die Zahl anfänglicher Optionen auf die unveränderlich niedrige Endzahl (genau eins) zu reduzieren. Dies wird im wesentlichen dadurch erreicht, dass sich das gesamte Auswahlverfahren in einen primären Exklusionsprozess und einen daraus folgenden Inklusionsprozess differenziert. Insofern angesichts der abzuarbeitenden Alternativenfülle beide Prozesse stärker in Anspruch genommen werden müssen, kann folgern, dass sich das Online Dating gleichzeitig durch ein höheres Gewicht kollektiver und individueller (bzw. objektivierter und subjektivierter) Selektionskriterien von der konventionellen realweltlichen Partnersuche unterscheidet. Beide gewinnen ihre erhöhte Bedeutung auf Kosten jener Zufälligkeiten räumlicher Begegnung und Irrationalitäten spontaner körperlicher Wahrnehmung, die im Vergleich zur konventionellen Realwelt weniger Steuerungskraft entfalten.

  • Online Search for Offline Partners (2007)
    There are sound reasons to assume that the new Internet platforms will revolutionize partner matching on a wide scale, because they open up much larger pool of alternatives, lower the costs associated with searching and allow the implementation of more rational procedures. However, the effortless accessibility of many potential partners may result to be a twoedged sword, because it may also cause many existing relationships to be broken up, especially those that have hitherto only continued because partners lacked time, energy and opportunities to "look around". The richer the pool of alternatives, the more potent procedures of complexity reduction are necessary for sizing down the number of options to the unchangeable minimum: one. This potent selectivity is achieved by coupling a rather standardized exclusion procedure to a subsequent (much more individualized) process of inclusion.

  • Exhibited in the Global Digital Cage. On the functions and consequences of Social Network Sites in Complex Societies (2008)
    The spectacular recent rise of Social Network Sites (SNS) is rooted in their capacity to provide social integration under highly complex conditions of contemporary culture, society and individual life: by allowing individuals to communicate comprehensive and reliable information about all their cultural preferences as well as their social adherences and identifications. However, they also contribute to a downgrading of social life by obliterating more subtle nuances between different types and qualities of human relationships, by reducing personal autonomy in self presentation and impression management, and by inserting individuals into settings of increased supervision and social control.

  • Kann der Rassismus im Internet überleben? (2008)
    Während das Internet einerseits unbeschränkte Veröffentlichungszugänge bietet, gehen von ihm andererseits auch moderierende Wirkungen aus: indem z. B. ein gewisser Druck auf universalistische Ausdrucksweisen besteht, und indem homogenisierende Gruppentypifizierungen dekonstruiert wird, wie sie oft auch auf antirassistischer Seite bestehen. Andererseits ist die Kontrolle und Zensur rassistischer Inhalte  im Web 2.0 aus technischen und juristischen Gründen fast aussichtslos geworden.

  • Tweeted Thoughts and Twittered Relationships. Some Sociological Remarks on the promises and limits of molecular online communications (2009)
    Twitter (and other micro blogging services) combine the flexibility and immediacy of bilateral telephone SMS with the multilateral networking capacities of the Web 2.0. In contrast to Blogs, discussion fora and Social Network Sites, Twitter allows online communication characterized by asymmetric leadership-follower relationships, remoteness of sender identity, metacommunicative signaling functions and low threshold spontaneous RealTime responses compatible with most current social activities and roles. However, such short messages are only functional within highly specific frames of shared experiences and symbolic interpretations that are a prerequisite for communicating successfully by using a very restricted verbal code.

  • Augmenting Things, Establishments and Human Beings. "Blended Reality" in a psycho-sociological perspective (2010)
    In contrast to virtual reality that diverts attention to artificial "second worlds" and robotics that substitutes human beings by artificial agents, AR aims to reinstate the human being as the very center of all digital activities: not only as an abstract "subject", but as an embodied actor interacting with the physical environment by using his sensomotoric skills. Especially when harnessed with geotracking systems (GPS) and crowdsourced databases, AR applications provide more relevant information about any current environment on a Real Time basis: thus reducing potentially the scope of subjectivity by "colonizing" even most basic human perceptions and behavior with objectified supraindividual information. When human beings are the targets of augmentation, new devices of reciprocal data control will have to be established in order to keep an equilibrium between the advantages to observe others and the need to preserve privacy (=remain unobserved).

  • Kakophonie und Selbstorganisation in der digitalen Agora  (2011)
    Die – in jüngster Zeit immer deutlicher hervortretende – Doppelfunktion des Internet besteht, darin, die politische Öffentlichkeit einerseits aus der traditionellen Dominanz „vermachteter“  monologischer Abwärtskommunikation zu befreien, und andererseits eine polyvalente Plattform zur Verfügung zu stellen, auf der alle Formen technisch gestützter Kommunikation ohne Medienbrüche prozessiert und ineinander übergeführt werden können. Dank zeitunabhängiger Verfügbarkeit aller Inhalte profiliert sich die Internet-Öffentlichkeit zudem durch eine historische Tiefendimension, die mit der kurzfristigen Aktualitätsorientierung der konventionellen Medien scharf kontrastiert. Der immensen Ausweitung niederschwelliger öffentlicher Partizipationschancen und (spontan-individuell bestimmter) interaktiver Horizontalkommunikationen stehen allerdings viel geringere Gewinne an kollektiver Organisations- und Aktionskapazität gegenüber, weil digitale politische Engagements vergleichsweise unverbindlich bleiben, und weil im Stadium der Kampagne meist keine formalisierten Strukturen entstehen, wie sie für die nachfolgenden Stadien aktiver Konfliktaustragung und Politikrealisierung notwendig sind. Da traditionelle Eliten kaum an Onlinekommunikation teilnehmen, ist bisher keine integrierte Gesamtöffentlichkeit entstanden, die die Vorteile massenmedialer Diffusion und digitaler Kommunikation in sich vereinigt.

  • Ethnische Selbstorganisation Online  (2011)
    Als polyvalentestes und anschmiegsamstes aller Medien vermag das Internet zwar keine selbsttätige Kausalität zu entfalten. Um so eindrücklicher bietet es sich aber den Mitgliedern ethnischen Diasporas als Universalwerkzeug an, um unter widrigen Bedingungen Kontakte untereinander und mit den in der Heimat Zurückgebliebenen zu pflegen, sich an der Konstruktion einer kollektiver Gruppenidentität mitzubeteiligen oder sich zu umfassenden politischen Aktivitäten zu vereinigen, wie sie bisher nur mit Hilfe aufwendiger Formalorganisationen möglich gewesen sind –aber alles nur in dem Masse, wie subjektive Absichten in diese Richtung bereits vorgängig bestehen. Manches spricht dafür, dass Diasporas neue Mittel gewinnen, um sich den Integrationszumutungen ihrer Immigrationsländer zu entziehen. Ebenso kann ihre Fähigkeit zunehmen, im transnationalen Raum eine wahrnehmbare Stimme zu erheben und – wie z. B. im Falle der 40 Mio. Exilchinesen – in Symbiose mit ihrem Territorialstaat das Gesamtgewicht ihrer globalen Präsenz zu amplifizieren.
     

  • Between Life Ticker and Autobiography (2012)
    In contrast to Google which is boosting individual self-reliance and universalistic orientations, Facebook has a more “regressive” function by involving individuals into particularistic primary social relations. Among the multiple means of self expression, there is a growing prominence of tools that allow autobiographic communications: as they have been established recently (early 2012)  in FB “Timeline” and associated “open graph” applications. Apart from “democratizing” hitherto rather elitist forms of diary keeping and autobiographic narratives, the flexibility, multimedality and interactivity of these channels give rise to hitherto unknown ways of diachronic identity.bulding (and-evolution) that go along with increased individual empowerment on the one hand and growing social conformity pressures on the other.
     

  • Has Tweeting become Inevitable? Twitter’s strategic role in the World of Digital Communication 2011
    By minimizing costs of encoding and decoding and by combining functionalities of the Internet and the Mobile phone, Twitter is disposed to play a crucial dual role within the sphere of digitial communication. On the one side, Twitter helps to expand such communication to the microscopic level of current events, thoughts and observations; on the other hand, it contributes to a better orientation in the ever growing “Cyberjungle” by propagating signals about new information sources on which users should concentrate their attention. By focusing on current processes and devlopments and by adding a “push” element based on info (bottomup) rmal opinion leadership, Twitter is highly complementary to conventional Social network Sites (like Facebook) which specialize more on horizontal networks and stable patterns of social relationships and social structure.

     

3. Internationale Beziehungen / International Relations

  • Kleinstaaten im Internationalen System
    Die seit der Renaissance und der Reformation florierende „Klein-staaterei" ein im Vergleich zu den universalistischen Reichsideen des Mittelaltersmodernere Entwicklung dar, die mit der Globalisierung europäischer Technik, Wirt-schaft und Kultur nicht nur kompatibel war, sondern dazu in einem durchaus positivenBedingungsverhältnis stand. Die Wurzel dieser Entwicklung liegt erstens darin, daßmit dem Zerfall des Feudalismus die Möglichkeit schwand, umfangreiche Territorienunter Ausschluß der autochthonen Bevölkerung überräumlich zu integrieren. „Modern" sind Kleinstaaten auch in dem zweiten Sinne: Daß es sich bei ihnen durchwegs um überdurchschnittlich umweltoffene politische Systeme handelt, diegenötigt sind, ihre Autonomie- und Entwicklungschancen im Medium dichter externerInteraktions- und Adaptationsprozesse zu realisieren. Sehr viel früher als größereLänder haben sie sich damit abfinden müssen, im Vollzug alltäglicher Funktionsabläufemit Ausländern verschiedener Provenienz in Kontakt zu treten, bei der Beschaffungunentbehrlicher Güter dauerhaft auf Importe angewiesen zu sein, von politischenEntscheidungen größerer Nachbarländer empfindlich mitbetroffen zu werden, ohnesie selber mitbeeinflussen zu können, einem militärischen Angreifer integral ausge-liefert zu sein und den Kriegsfall als Risiko totaler Vernichtung zu erleben.
     

  • Zuviel Gemeinschaft in der Gesellschaft? Europa in der Zwangsjacke kommunitaristischer Integration
    Die von der EU verfolgte Integrationsstrategie" kann im engeren (von Ferdinand Toennies geprägten) Wortsinne als "gemeinschaftlich" bezeichnet werden. So werden die Mitgliedstaaten auf der Basis zugeschriebener Merkmale in irreversibler Weise in ein Kollektiv eingebunden, das sich gegenüber seiner Umwelt durch ein hohes Konsensniveau, dichtgewobene Solidaritätsbindungen, immer vielseitigere Kooperationsbeziehungen und einen ständig anwachsenden Traditionsbestand an gemeinsamen Normen profiliert. Dadurch setzt sich die EU in ein Spannungsverhältnis zur hohen und ständig anwachsenden  funktionalen Differenzierung, politischer Segmentierung und Wertepluralität, die Europa einen eminent "gesellschaftlichen" Charakter (wiederum im Toennies'schen Wortsinne) verleihen. Nachdem die mit früheren Grossmachthegemonien verknüpften (d.h. exogenen) Integrationskräfte weggefallen sind, können sich diese endogenen Sprengkräfte wieder voll durchsetzen: so dass die EG intern unstabiler werden und nach aussen hin kaum in der Lage sein dürfte, wesentlich zum Aufbau der dem postsozialistischen Zeitalter angemessenen Integrationsstrukturen (von paneuropäischer Reichweite) beizutragen.
     

  • Why the EU Cannot Succeed The doomed "community model" of European Integration pdf
    The EU is pursuing a communitarian model of European integration which is based on an ascriptive, irrevocable membership status, value consensus, functionally diffuse interrelationships, unspecified goals and an irreversibly growing “acquis communautaire”. Consequently, the European Union tends to solidify a rather anachronistic social structure. In contrast to the (more modern) nation states, its political system is characterized by deficits in the separation of powers, in formality of procedures and in public control. And in contrast to classical international relations, it is at variance with modernity and because the absence of functionally specific and reversible contractual relationships by its refusal to bind interference to strict legal restrictions. As long as the EU clings to its communitarian model, it will be at variance with the high complexity and dynamics of European society (itself embedded in a world society created by Europe itself). As well, the Union will not be able to be responsive to the participation needs of European citizens (and their legislative bodies), because these basic political rights are eroding to the degree that he autonomy of nation states is reduced.
     

  • Ist die Gemeinschaft "europafähig"?  Kritische Anmerkungen zu einem idealistisch überhöhten Konzept Europäischer Integration.
    Wie alle "Gemeinschaften" bindet auch die EG ihre Mitglieder in eine relativ starre und alternativenarme Ordnung ein, die zum Pluralismus und zur Dynamik der modernen Gesellschaft in einem Spannungsverhältnis steht. Im künftigen Gesamteuropa werden offenere Strukturen mit niedrigerer Zutrittsschwelle erforderlich sein, an denen auch die Schweiz sich müheloser mitbeteiligen könnte.
     

  • Weltordnung ohne Hegemonien? Neue globale Beziehungsstrukturen im Spannungsfeld zwischen Kleinstaatlichkeit und internationalen Organisationen
    Die voranschreitende Fragmentierung der Staatenwelt führt zu Ordnungsproblemen und Leistungsdefiziten, die einen korrelativen Ausbau internationaler Organisationen notwendig machen. Jede Konzeption einer "neuen Weltordnung" muss von der Voraussetzung ausgehen, dass die Durchsetzung staatlicher Territorialherrschaft zukünftig wahrscheinlich nur noch im kleinräumigem Rahmen gelingt. 
     

  • International Policing: a new Evolutionary Stage of Military Organization
    The end of the Cold War has facilitated the emergence of numerous conflicts that cannot easily be handled by existing organizations mandated to exercise physical force, because  in a long-term evolutionary process, these organizations have specialized to deal with  small events of criminal violence on the one hand (police) and with the diversion of very  massive (nuclear) aggression on ther other (armies).
    As a consequence, international policing missions are plagued by a number of  ambiguities, dilemmas and conflicts stemming from the basic fact that contradictory  functional expectations, environmental relationships and principles of organizations have  to be reconciled. The concept of  "global policing" must not blurr the basic fact that peace-enforcement tasks  will always differ fundamentally from any civilian police action, because they typically  don't take place in a legitimated and pacified societal and political order. Therefore, effective peace-enforcement will not call for an organizational structure somewhat midway between conventional armies and civilian police forces, but for a new  kind of organization that cumulates high-standing police capabilities with full-blown conventional military characteristics and that adds some third functional capacities not  present in the other two.

     

  • Der Nationalstaat im Spannungsfeld sub- und transnationaler Online-Kommunikationen
    Das Internet die Chancen des Nationalstaats, innere und äussere Kommunikation zu kontrollieren, und die (bisher dominierende)  nationale Oeffentlichkeit wird vermehrt von sub- und transnationale Teilöffentlichkeiten konkurrenziert. So können binnennationale Fragmentierungen verstärkt werden, im Ausland lebende Staatsangehörige können an Einfluss gewinnen, und es können nichtterritoriale Kollektive in den Vordergrund treten, die ihre Identität auf ethnisch-religiöse Traditionen oder auf globale Bewegungsideologien abstützen und ihre Machtstellung nicht über Territorialstaatlichkeit, sondern über effizient koordinierte Netzwerkaktivität entfalten. Generell unterstützt das Internet die weltweiten Trends zur territorialen Fragmentierung und ethnisch-religiösen Pluralisierung, die seit 1989 ohnehin stärker geworden sind; und es steigert die Konfliktfähigkeit organisationsschwacher nichtstaatlicher Gruppen, wie sie heute an fast allen kriegerischen Auseinandersetzungen mitbeteiligt sind.
     

  • Das Internet und die parteiinterne Demokratie  html   pdf
    Die neuen digitalen Informations- und Kommunikationsmedien haben im Bereich der Schweizer Lokalparteien bereits eine erstaunlich breite Anwendung gefunden. Mehr als 30% aller Ortsgruppierungen sind auf dem WWW mit einer eigenen Homepage vertreten, und bei mehr als 76% von ihnen hat sich die E-Mail als neues Kommunikationsmedium eingebürgert: in erster Linie als Arbeitsinstrument des Parteivorstands, in zweiter Hinsicht als umfassendes Integrationsinstrument zwischen Führung und Mitgliederbasis. 
    Die Resultate weisen darauf hin, dass die neuen Kommunikationsmedien die Einflussverhältnisse in den Parteien mitbeeinflussen könnten. Vor allem scheinen kollektive Führungsgremien („Parteivorstände“) in der Lage zu sein, die Onlinekommunikation zur Steigerung ihrer Beratungs- und Entscheidungskapazitäten (und damit: zur Erhöhung ihrer Autoritätsstellung) zu nutzen – ohne dass sich aber dadurch die Einflussstellung der übrigen Organe im gleichen Masse verringert.
     

  • The limits of ideological globalization. Current patterns of "left and right" in different geographical regions     html   pdf
    Political thinking in terms of "left and "right" has successfully expanded from its originating Western European context all over the globe. In all included world regions except the Middle East, at least 60 percent of the total population are ready to place themselves on a respective LR-scale. In all regions, left-right self identifications are particularly widespread among the more educated and the more politically active strata. However, very significant regional divergences cannot be explained neither by different micro-characteristics on the level of respondents nor with the degree of macroeconomic development. Thus, they are likely to emerge from differences in endogenous political culture. In conformity with previous, studies, it was found that issue positions are better in predicting LR values on the left half of the scale, while differences between moderate and extreme rightist positions cannot be grasped well with the indicators at hand. However, this regularity is not valid in East Asia where the right scale section is more highly associated with specific political stances. Highly educated strata show more interregional variance in their degree of ideology than population with less schooling. This result evidently contradicts the widespread theoretical notion that educated strata are more likely to adopt a homogeneous Westernized culture all over the world.
     

  • Kerosene Prices and Socio-Economic Change
    It is highly probable that future air traffic will shrink due to higher fuel prices and inacceptable ecological pollution. Consequently, international trade will become deglobalized, giving way to more regionalized exchanges especially when flexible demands have to be met or "just-in-time"-production systems have to be maintained. The thinning out of passenger flight schedules will particularly hurt peripheral locations and very large countries, and will have deep repercussions of tourism, labor markets and transnational organizations. While more transspatial communication will be transferred from in-person encounters to technically mediated channels, there is a danger of losing problem solving capacities where face-to-face interaction is necessary: e. g. in processes of international contact initiation, teamwork building, or negotiation.
     

  • Flugreisekosten und Globalisierung
    Erhöhte Treibstoffpreise und ökologische Anforderungen werden wahrscheinlich zu einer Reduktion des Flugverkehrs und des internationalen Fernhandels führen. Vor allem in den innovativeren und volatileren Märkten und bei Firmen mit "just-in-time"-Logistik ist mit einer Re-Regionalisierung der Produktionsstätten sowie der Lieferanten- und Absatzmärkte zu rechnen. Das Schrumpfen des Passagierverkehrs wird durch indirekte Effekte steigender Flugpreise auf die Netzstrukturen (z. B. durch die Marginalisierung sekundärer Destinationen) kumulativ verstärkt und wird den Tourismus ebenso wie die Arbeitsmigration, die Internationalen Organisationen und den Geschäftsverkehr empfindlich treffen. Dank seiner kleinräumigen Diversifikation und seinen gut ausgebauten Landverkehrssystemen wird Europa in dieser partiell deglobalisierten Wirtschaftswelt relative Vorteile haben.
     

  • Modest Prospectives for Military Robots in Today's Asymmetric Wars
    Some recent developments in (semi-)automatic weaponry (like the “irobot 510 Packbot” or MQ-9 Reaper drones) have revived the interest in“unmanned warfare” and “robot soldiers”. A closer look reveals that such devices are apt to accomplish many specialize tasks shunned (or impossible to carry out) by human fighters, that they increase offensive and defensive action capacities of armed forces and that they may lower the threshold for applying violence and entering wars. On the other hand, their dependence on highly structured, simplified environments makes them of little use under conditions of modern infantry fighting, in asymmetric warfare characterized by a blurring between military and civilian individuals and targets, and especially in peace enforcing and nation rebuilding missions where even the much higher polyvalence and versalility of human soldiers is challenged to the extreme. Within military organizations, robots facilitate the centralization and strict implementation of normative rules, and on a strategic level, they may indirectly fuel worldwide terrorism because attackers are motivated to divert violence form battlefields to softer (human) targets.
     

  • Leftism and Ecologism in an International Comparative Perspective.
    The association between leftism and ecologism is analyzed comparatively in a sample of 27 countries, based on data stemming from the fifth wave of World Values Survey (conducted 2005-2007). As a first major result, it is found that the Western countries (encompassing Western European, USA, Canada and Australia) stand out as a distinct group with a highly homogeneous political culture: in the sense that in all of them, ecologism shows a tight “vertical coupling” to the general ideological left-right scale on the one hand and considerable “horizontal couplings” to other leftist issue dimensions on the other. India and South Korea are the only nonwestern countries where a similar (however very moderate) correlation between leftism and ecologism can be found. Secondly, leftist ideologies are most pronounced within highly educated strata in Western countries. Very few other countries (Slovenia, India and Mexico) show a similar pattern. Thirdly, a comparative analysis of age cohorts provides very little evidence for major intergenerational change. In particular, there is no evidence that any interregional or even global diffusion of political ideology has taken place that would cause more transnational homogeneity among younger populations. To summarize, we may conclude that “leftist ecologism” is a specific feature of Western countries that unites Western Europe with North America and Oceania, but divides them from South America and Asia as well as from their neighboring countries to the East.
     

4.  Soziologie der Religion / Sociology of Religion

  • Work values and Christian Religiosity.An ambiguous multidimensional relationship    pdf
    Based on data from World Values Survey, this paper argues that people who accord a central place to religion and God are consistently more likely to give work a highly important place in their personal life. This regularity spreads almost equally over Catholic, Protestant, and Orthodox believers, thus indicating that an affirmative attitude to work is deeply intrinsic in the general Christian tradition. By contrast, belief in afterlife shows a spectacular negative correlation with work values that pervades most confessions, the majority of Christian countries worldwide, and almost all segments of the population. This conforms with the notion that afterlife beliefs motivate people to shift personal investments (in terms of subjective attention to time, money, personal energy, etc.) from this-worldly to other-worldly concerns.
     

  • Gibt es in der Schweiz noch konfessionelle politische Kulturen?
    Entgegen theoretischer Erwartungen zeigt sich, dass das Schweizerische Parteiensystem zumindest auf lokaler Ebene nach wie vor durch gewisse konfessionelle Milieus geprägt sind, die im Intervall zwischen beiden Untersuchungen (1989 bis 2002) ihre Determinationskraft beibehalten haben. Vor allem besteht eine geringere Tendenz zur ideologischen Links-Rechts-Polarisierung und eine stärkere Tendenz rechtsstehender Parteien, sachpolitische Positionen des Zentrums (oder gar der Linken) mitzutragen.
     

  • Die Zukunft der Kirchen im Kräftefeld sozio-kultureller Entwicklungen
    Aus soziologischer Sicht faszinieren die Kirchen durch ihren Anspruch, die beiden widerstrebenden Ziele der Bewahrung und aktiven Artikulation absolut gesetzter Traditionen und der Öffnung gegenüber aktuellen Entwicklungen in Kultur und Gesellschaft miteinander zu verbinden. Dadurch unterscheiden sie sich von den meisten anderen Institutionen durch eine besonders komplexe und ambivalente Weise, auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen (sozietale Differenzieurng Individualisierung, Pluralisierung u.a.) zu reagieren, an den neuerwachenden ethischen Diskussionen teilzunehmen die neuen digitalen Medien für ihre Zwecke nutzbar zu machen.
     

  • Zwischen Anpassung, Selbstbehauptung und politischer Agitation. Zur vielseitigen aktuellen (und zukünftigen) Bedeutung religiöser Organisationen
    Die These, dass christliche Religiosität immer stärker im Medium formaler Organisation stattfinde, lässt sich auf eine Fülle empirischer Beobachtungen und theoretischer Argumentationen stützen. Je nachdem, ob man eher ein langsames Erlöschen, ein defensives Sicheinfügen, eine autonome Selbstbehauptung oder gar eine offensive Expansion christlicher Religiosität für wahrscheinlich hält, kann zwischen vier Theoriemodellen unterschieden werden:
    1) Das "Rezessionsmodell" besagt, dass christliche Religiosität zunehmend auf formale Organisation als letzte Rückzugsbasis angewiesen sei, weil sie ausserhalb dieser Kontexte keine Überlebenschancen mehr besitze.
    2) Das "Akkommodationsmodell" geht davon aus, dass Religionen wie alle anderen gesellschaftlichen Institutionen der formalen Organisation bedürfen, um in der modernen Gesellschaft ihren inneren Zusammenhalt und ihre äussere Handlungsfähigkeit zu erhalten.
    3) Das "Artikulationsmodell" beruht auf der Prämisse, dass Religionen grundsätzlich autonome Akteure sind und das Medium formaler Organisation dazu benutzen, um ihrer Identität und ihren Zielsetzungen auf neue Weise Ausdruck zu verleihen.
    4) Das "Progressionsmodell" schliesslich behauptet, Religionen würden durch "organisatorische Aufrüstung" ein neues Niveau innerer Dynamik und äusserer Aktivität erreichen, das es ihnen ermöglicht, in verstärktem Umfang auf die gesellschaftliche Umwelt Einfluss zu nehmen.

     

  • Der konfessionelle Faktor in der Lokalpolitik
    Angesichts der Rückläufigkeit religiöser Glaubensweisen und Lebenspraktiken, des schwindenden Einflusses der Kirchen und des völligen Fehlens manifester konfessioneller Konflikte erscheint es hoffnungslos unzeitgemäss, die Konfession ins Zentrum einer soziologischen oder politologischen Analyse zu setzen.Die vorliegenden Ergebnisse legen aber den Schluss nahe, dass es zumindest auf der kommunalpolitischen Ebene noch signifikante konfessionelle Divergenzen gibt, die mit der Basishypothese, dass im katholischen Milieu eine eher „kommunalistische“ und im protestantischen Bereich eine eher „individualistische“ politische Kultur vorherrsche, in Uebereinstimmung stehen. So lässt sich zeigen, dass Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung zahlreichere und mitgliederstärkere Lokalparteien besitzen, die in breiterem Umfang auch jüngere Alterskohorten und Angehörige niedrigerer Sozialschichten integrieren, auf der Führungsebene eine höhere Aktivität und eine komplexere Organisation ausbilden und in der Gemeindepolitik eine stärkeren Einfluss (vor allem auch auf die Besetzung kommunaler Exekutivämter) entfalten. Ebenso bestätigt sich die Vermutung, dass Protestanten eher direktdemokratischen Prozessen den Vorzug geben, die mit zahlreichen jährlichen Parteiversammlungen einhergehen, während Katholiken einer eher „oligarchischen“ Organisation zuneigen, indem sie den Aktivitätsschwerpunkt auf die Ebene der Führungsgremien verlagern.

     

 5. Arbeit und Organisation / Work and Organization

  • The three-dimensional Evolution of Human Work pdf (2012)
    The threefold evolutions of human work in the technological, social and cybernetic dimensions all contribute to the same two major epistemological and methodological consequences: 1) First Order problems result fro  the increasing dificulty of interpreting any historical remains and data (artifacts, texts, figures, pictures, videos, software programs and everything else) because ever more contextual information has to be added in order to understand what such data effectively mean. This demands a shift from “atomistic” to “holistic-systemic” perspectives insofar as the knowledge about very encompassing technological and social systems is decisive whether and to what extent the meaning and function of lower-order objects or processes can be identified. 2) Second Order order epistemological problems arise from the fact that are themselves confronted with the same cognitive complexities as any outside observers who do social research. Future researchers will have extreme difficulties to reconstruct the cognitive mind set of past actors, because no adequate and consensual subjective perceptions and interpretations can be assumed.
     

  • Wissensformen, Berufsrollen und Kooperationsstrukturen pdf (2010)
    Berufliche Rollen lassen sich ebenso wie kooperative Arbeitsgruppen oder Organisatio­nen danach klassifizieren, welche verschiedenen Quellen des Wissens in ihnen angewendet werden. Auf der Basis der für ihre Erzeugung, Speicherung und Übermitt­lung verwendeten Mechanismen lassen sich sechs Zustandsformen des Wissens unterscheiden, die zwischen einem Pol subjektiver „Internalität“ (persönliche Intuition und Erfahrung) und einem Pol objektivierter „Externalität“ (schriftliche Regeln und materialisierte Technologien) variieren. Im Mittelfeld dieses Kontinuums befinden sich das durch  informelle Sozialisierung vermittelte Wissen sowie das formale Bildungswissen – zwei hybride Formen, die durch eine Kombination aus übersubjektiver Tradierung und subjektiver Aneignung gekennzeichnet sind. Aus der Synthese verschiedener theoretischer Propositionen und empirischer Regularitäten in der bisherigen Literatur lässt sich eine generalisierte Theorie der Wissensformen und Rollenqualifikationen  gewinnen: indem man jeder Wissensform einen Komplex von spezifischen "funktionalen Kapazitäten" zuschreibt, die sich einerseits auf Fähigkeiten zur Umweltadapta­tion und Problemlösung und andererseits auf die Herausbildung bestimmter interpersoneller Interaktionsmuster und sozialer Strukturformen beziehen. In der modernen Arbeitswelt lassen sich polarisierende Entwicklungen zu hoch internalisierten Qualifikationen einerseits und hoch externalisierten Wissensformen andererseits erkennen, zwischen denen das informelle Traditionswissen und das formale Ausbildungswissen relativ unstabile Intermediärpositionen besetzen.
     

  • Work values and Christian Religiosity. An ambiguous multidimensional relationship pdf  (2009)
    Based on data from World Values Survey, this paper argues that people who accord a central place to religion and God are consistently more likely to give work a highly important place in their personal life. This regularity spreads almost equally over Catholic, Protestant, and Orthodox believers, thus indicating that an affirmative attitude to work is deeply intrinsic in the general Christian tradition. By contrast, belief in afterlife shows a spectacular negative correlation with work values that pervades most confessions, the majority of Christian countries worldwide, and almost all segments of the population. This conforms with the notion that afterlife beliefs motivate people to shift personal investments (in terms of subjective attention to time, money, personal energy, etc.) from this-worldly to other-worldly concerns.
     

  • Job Skills at the Flashpoint of Economic, Technological and Organizational Change (2001)
    On an extensive scale, Swiss firms are currently enacting reorganization measures which can be subsumed under the term "functional flexibilization": e. g, by decentralizing responsibility, empowering teams, by simplifying hierarchic structures or by creating more polyvalent roles. All these measures have complex impacts on recruitment practices and the demand for individual skills in various parts and on various levels  of economic organizations.
     

  • Market Competition and the Organizational Demand for Skill. Empirical evidence from Swiss Industrial and Service Enterprises (2001)
    Contrary to most previous studies which have treated “competition” as a one-dimensional concept,  there are good reasons to make a distinction between price-related and quality-related competition, because they give rise to highly divergent problems and are likely to evoke quite contrary strategies of procedural and structural adaptations. These hypotheses were clearly borne out by the empirical findings which showed that price and quality competition are two distinct environmental conditions with seemingly quite different antecedents (1), have highly contradictory effects on the dependent variables (2), and display impacts which are highly differently mediated by a number of moderating variables (such as age or size of the firm) (3). Evidently, intensive price competition is the correlate of a cost-minimizing “Taylorist” strategy which is most prevalent in the segment of older and larger firms. Businesses of this sort rely heavily on unskilled employees, while showing little inclination to increase academic staff or to upgrade qualifications by advanced training.
     

  • Die schweizerische Arbeitswelt im Wandel.  Konzept eines nationalen Forschungsschwerpunkts (1994)
    Es wird eine Auslegeordnung für die systematische Erforschung der schweizerischen Arbeitswelt entworfen, die sich auf 12 Dimensionen der Analyse (u. a. auf den remunerativen, edukativen, räumlichen, temporalen, kulturellen und sozio-politischen Aspekt der Arbeit) bezieht. Dabei gilt es, sowohl nachfrage- wie angebotsseitig komplexen Struktur- und Entwicklungsmustern Rechnung zu tragen, deren Erfassung einen komplementären Einsatz quantitativer und qualitativer Methoden sowie punktueller Querschnitt- und diachroner Längsschnittstudien erfordert.
     

  • Telearbeit. Versuch einer nüchternen Zwischenbilanz (2003)
    Unter Telearbeit wird gemeinhin eine Erwerbstätigkeit verstanden, die in räumlicher Entfernung von einer physischen Betriebsstätte ausgeführt wird, aber mit Hilfe moderner Kommunikationstechnologien in diese Organisation eingebettet bleibt. Die Faszination der Telearbeit liegt darin, dass sie mit einer der fundamentalsten Entwicklungen bricht, die hoch entwickelte von vorindustriellen Gesellschaften unterscheidet: nämlich mit der Tendenz, Erwerbstätige immer stärker aus ihrem häuslichen Familienkreis herauszulösen und in - zum Teil äusserst umfangreichen - Betriebsstätten zu konzentrieren. Mit Hilfe neuer Informationstechnologien könnten Arbeiten immer komplexerer Art auch zu Hause erledigt werden. Prognosen über die unausweichliche Ausbreitung der Heimtelearbeit haben sich aber nicht bestätigt. Eine Zwischenbilanz.
     

  • Die Destabilisierung der Arbeitswelt (1994)
    Oekonomische, technologische und organisatorische Entwicklungen tragen momentan dazu bei, die privatwirtschaftliche Arbeitswelt in einen labileren Zustand (beschleunigten und unberechenbareren Wandels) überzuführen. Dadurch entstehen einerseits beunruhigende Ungewissheiten, die durch eine Intensivierung der Sozialforschung nur teilweise beseitigt werden können. Andererseits erweitern sich aber auch die Alternativenspielräume, so dass die Arbeitswelt stärker als bisher in den Zugriff gesellschaftspolitischer Gestaltung rückt.
     

  • Organizations as Social Actors (2002)
    Organizations can be conceptualized as social actors capable of interacting with each other as well as with individual actors. A correlative interaction theory has to  take into account the many ways in which organizations are different from human individuals. First of all, organizations are constituted by actions; they have no existence and identity apart from their activities, and they are held strictly responsible for almost everything they do. Secondly, organizations are transparent actors; their internal structures and processes can be observed by outsiders so that they can be submitted to external supervision and social control. Finally, organizations are differentiated actors; they can make use of their internal segmentations by participating simultaneously in many different interaction processes and by committing different subunits to contradictory values and rules.
     

  • Wissensstrukturen und Berufsstrukturen im gesellschaftlichen Wandel (1998)
    Die in Arbeitsprozesse einfliessenden Wissensbestände können nach dem Grade ihrer "Internalität" vs. "Externalität" charakterisiert werden. Völlig "internal" sind z. B. "Intuitionen" und "Begabungen", die untrennbar an ein partikuläres Individuum gebunden sind, völlig "external" sind schriftliche Regelbestände und materielle Technologien, die völlig losgelöst von individuellen Bindungen speicher- und übertragbar sind. Die spezifischen Funktionalitäten und Leistungsgrenzen des Bildungswissens werden auf neue verständlich, wenn man es in seiner Mittelstellung (als semi-externale Wissensform, die gleichzeitig einer individuellen und kollektiven Speicherung unterliegt) begreift.
     

  • Bald überflüssig? – oder befreit für Neues? (1998)
    Die klassische Rolle der Sekretärin hat wenig Zukunft, weil die technisch-organisatorischen Entwicklungen viele angestammte Aufgabenbereiche in diesem Beruf hinfällig machen. Andererseits eröffnen sich durch diese Hilfsmittel auch neue Tätigkeiten. (Zusammen  mit Margret Bürgisser).
     

  • Aktuelle Trends im Lehrstellenangebot von Schweizer Industrie- und Dienstleistungsbetrieben (1998)
    Aufgrund der präsentierten Umfrageergebnisse (bei den Personalchefs von Schweizer Firmen)  darf vermutet werden, dass die momentan zunehmende Beschäftigung vor allem im Industriesektor wieder ein Anwachsen der Lehrplätze (insbesondere in industriell-gewerblichen Berufen) zur Folge haben wird. Das Angebot an kaufmännischen Lehrstellen wird durch diese generelle Beschäftigungslage offensichtlich sehr viel weniger berührt. 
     

  • Offre de postes d’apprentissage: état actuel et perspectives (1999)
    Ce sont principalement les petites entreprises, principalement celles du secteur des services mais aussi celles des branches de l’industrie, qui prennent en charge la formation des apprentis, ce de façon nettement au-dessus de la moyenne. Ces petites entreprises sont pour la plupart très orientées vers le marché et ne sont pas caractérisées par une dynamique innovatrice. 
    Ces deux prochaines années, on devrait pouvoir compter (à part dans le secteur de la construction) avec un  nombre croissant de postes d’apprentissage dans tous les secteurs.
     

  • Determinanten des Lehrstellenangebots in der Schweizerischen Privatwirtschaft (1999)  pdf
    Die Ergebnisse aus einer schriftlichen Umfrage bei über 2000 Schweizer Unternehmen  zeigen, dass ein disproportional hoher Anteil der beruflichen Grundausbildung von Klein- und Mittelbetrieben getragen wird, die aufgrund ihrer stagnierenden oder gar rückläufigen Beschäftigung, ihrer rein binnenwirtschaftlichen Orientierung und ihrer mangelnden Innovativität zu den traditionellen, eher wenig zukunftsreichen Sektoren der Schweizer Wirtschaft gerechnet werden müssen. Überdurchschnittlich häufig gehören sie stark rezessionsanfälligen Branchen (z. B. dem Baugewerbe, dem Detailhandel oder dem Gastgewerbe) an. Die Paradoxie besteht darin, dass solche Betriebe gerade dank ihrer geringen Beanspruchung mit äusseren Adaptations- und inneren Reorganisationsproblemen hinreichend freie Valenzen und Ressourcen für die Lehrlingsausbildung besitzen, gerade dadurch aber jenen Bestand an Fehlausgebildeten ständig erhöhen, die bereits kurze Zeit nach Lehrabschluss in expansivere, zukunftsträchtigere Berufsfelder und Produktionssektoren überwechseln. 
     

  • Arbeitsqualifikationen im Spannungsfeld des ökonomischen, technischen und organisatorischen Wandels (1999)
    Gegenwärtig finden bei Schweizer Firmen des Industrie- und Dienstleistungssektors auf breiter Front Reorganisationsbestrebungen ab, die sich an Modellen der "lean production" und des "lean management" orientieren und eine Flexibilisierung der Betriebsabläufe zum Ziel haben. Dazu gehört z. B. die Tendenz, Verantwortung an untere Ebenen zu delegieren, die Autonomie von Arbeitsteams zu verstärken oder zu polyvalenteren Rollen überzuwechseln. All diese Massnahmen haben komplexere Auswirkungen auf die Belegschaftsstruktur, die Rekrutierungspraktiken der Unternehmung und auf ihren Bedarf für Arbeitsqualifikationen (in verschiedenen Abteilungen und auf verschiedenen Hierarchiestufen der Organisation).
     

  • Mängel der Schulausbildung aus Arbeitgebersicht (1999)
    In einer Umfrage bei den Personalverantwortlichen von über 2000 Schweizer Industrie- und Dienstleistungsfirmen wurde gefragt, welche Fähigkeiten und Kenntnisse die Grundschulen Schulabgängern im Hinblick auf die Berufslehre stärker als bisher vermitteln sollten.  Unabhängig von der Branchenzugehörigkeit, Firmengrösse, Exportorientierung, Nationalität, Sprachregion sind die Informanten mehrheitlich der Ansicht, dass die Bereitschaft zur persönlichen Eigeninitiative am Arbeitsplatz sowie die innerbetriebliche Kooperationsbereitschaft und Teamfähigkeit im heutigen Schulsystem unzureichend vermittelt würden und in der Schule von morgen deshalb eine vermehrte Förderung verdienten. Dieses Ergebnis stimmt gut mit dem Tenor der internationalen Forschung überein, dass Unternehmen den generelleren „employability skills“ grösseres Gewicht als dem schulischen Fachwissen zumessen würden. Noch grösser ist allerdings der Konsens darüber, dass die Kenntnisse der Realfächer – mit einer gewissen Ausnahme des Wissens über Wirtschaft, Recht und Politik - nichts zu wünschen übrig lasse – wobei zwischen naturwissenschaftlichen und kulturellen Fächern interesssanterweise kaum ein Bewertungsunterschied besteht.
     

  • Hat das duale Ausbildungssystem eine Zukunft? Die ambivalente Einstellung der Schweizer Unternehmen zu aktuellen Berufsbildungsreformen (1999)
    In einer schriftlichen Umfrage wurden die Personalverantwortlichen von ca. 2000 Schweizer Industrie- und Dienstleistungsfirmen über ihre Meinung zu zehn in Diskussion befindlichen Reformmassnahmen im Berufsbildungswesen befragt. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass insbesondere Verlängerungen in der Lehrzeit , ein Ausbau des Berufsschulunterrichts und die Einrichtung von Lehrwerkstätten auf weitgehende Ablehnung stösst, während zahlreiche andere Reformen (z. B. die Förderung von Ausbildungsverbünden, Einführungskursen oder der Modularisierung und Berufsmaturität) immerhin bei gut der Hälfte der Unternehmen Unterstützung finden. Allerdings bleibt diese Reformbereitschaft (die sich strikte am Rahmen des dualen Systems orientiert) teilweise auf Firmen ohne eigene Lehrausbildung sowie auf westschweizerische und ausländische Unternehmungen beschränkt.
     

  • Sprachräume als Arbeits- und Organisationskulturen pdf (2003)
    In Uebereinstimmung mit bisherigen Forschungsefunden zeigt sich, dass
    1) in der deutschen Schweiz eine eher wirtschaftszentrierte Wertekultur besteht, die sich als relativ adaptationsfähig erweist, weil sowohl individuelle Qualifikationen wie auch soziale Kooperationsformen und Institutionen in erster Linie unter dem Gesichtspunkt ihrer Instrumentalität für die Arbeitswelt beurteilt werden;
    2) im französischen Sprachraum eine eher wirtschaftsferne Wertekultur vorherrscht, die eher strukturkonservativen Charakter hat, insofern sie auf dem Eigenwert der Bildung und einer affirmativen Einstellung zu formal-bürokratischen Institutionen beruht.
     

  • Die Schweiz als Schnittfeld pluraler Unternehmens- und Betriebskulturen  html   pdf  (2005)
    Die Schweizer Unternehmenslandschaft ist aus dem doppelten Grunde diversifiziert, weil sich einerseits Firmen im in- und ausländischen Besitz und andererseits auch die Unternehmen der drei Sprachregionen in vielfältiger Hinsicht voneinander unterscheiden.So kann beispielsweise gezeigt werden, dass ausländische Firmen die stärkste und die Firmen des italienischen Sprachraums die geringste Dynamik (gemessen an Umsatzwachstum, Exportorientierung und InnovatIvität) entfalten, und die Deutschschweizer Unternehmen (vor allem im Industriebereich) sich relativ stark internationalen Standards angenähert haben.Damit verknüpfen sich vielfältige binnenorganisatorische Unterschiede, die
    - auf personeller Ebene in unterschiedlichen Qualifikationsniveaus und Weiterbildungsaktivitäten der Belegschaft;- auf sozio-struktureller Ebene in Unterschieden bezüglich hierarchischer Zentralisierung, teamorientierten Kooperationsstrukturen und Reorganisationsaktivitäten;
    - auf technologischer Ebene in überaus divergierenden Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien
    ihren Ausdruck finden.
    Multivariate Analysen führen zum Ergebnis, dass diese organisationsinternen Unterschiede zum grossen Teil direkt durch kulturelle Kontexteinflüsse bestimmt sind, und nur zum kleineren Teil indirekt durch die (ihrerseits kulturell beeinflusste) Organisationsdynamik beeinflusst werden.
     

  • Computers and computer networks as catalysts of intraorganizational decentralization html - pdf (2009)
    In a large sample of Swiss enterprises, the extensity of It usage is found to be associated to many intraorganizational characteristics:
    1) Job Enrichment. At least in higher skill environments, employees are typically confronted with a larger variety of tasks.2) Decentralization. Vis-à-vis their supervisors, rank and file workers exercise more influence on all major aspects of the work process: on the distribution of tasks as well as on the specification of work procedures, the pace of work and the interaction with external clients. 3) Advanced training: In firms of all size and skill categories, employees are more likely to become formally enrolled in courses of advanced training for upgrading heir work-related qualifications. 4) Personal self-guidance: There is somewhat more demand for workers able to engage in self-guided learning processes and to rely on autonomous judgment and decision.
     

  • Divergierende Qualifikationserwartungen in der Schweizerischen Arbeitswelt: nationale und regionale Determinanten   pdf  (2006)
    Die Industrie- und Dienstleistungsunternehmen der Schweizer Privatwirtschaft zeigen je nach Nationalität und Sprachregion unterschiedliche Merkmalskonfigurationen, die sich relativ gut in Termini konventioneller Organisationstypologien abbilden lassen.
    Während die Tessiner und Westschweizer Unternehmen ieher klassisch-fordistische Merkmalskonfigurationen zeigen, repräsentieren die Deutschschweizer sowie die im ausländischen Besitz befindlichen Firmen den Gegentypus des „postfordistischen“ Unternehmensorganisation die im Umweltverhältnis durch internationale Exportorientierung, Qualitätskonkurrenz hohe Innovativität und eine ausgeprägte Expansionsdynamik gekennzeichnet ist und sich in ihrem Innern durch ein hoch qualifizierte Belegschaft, relativ dezentralisiert-teambezogene Kooperationsstrukturen und durch einen extensiven Einsatz des Computers und der Computernetze profiliert.

     

 6. Bildungssoziologie / Sociology of Education

  • Wann lernt die Schule?  html   pdf
    Hohe Formalisierung schafft günstigere Bedingungen für Lernprozesse: weil  Entscheidungsinhalte und Entscheidungsprozesse in höherem Masse sichtbar, legitimationsbedürftig und intentional gestaltbar werden. Je begrenzter und spezifischer ihre Lehrziele, desto besser kann eine Schule selbsttätig  lernen, und desto eher kann sie sich von exogenen Orientierungen und Steuerungen unabhängig machen.
    Je vielfältiger, widersprüchlicher und variabler die Ziele und Anpassungsleistungen, die die Schule erfüllen soll, desto weniger kann sie "lernen", und desto mehr ist sie geneigt, umweltgerichtete durch innengerichtete und zukunftsbezogene durch gegenwarts- oder vergangenheitsbezogene Orientierungskriterien zu ersetzen.
    Die Lernmöglichkeiten der Schule wachsen in dem Masse an, als die Abläufe und Ergebnisse schulischer Prozesse (z.B. Lernleistungen) nicht mehr (ausschliesslich) den internalen Persönlichkeitsmerkmalen der Schüler zugerechnet werden.

  • Die Schule als lernende Organisation (pdf )
    „Organisationelles Lernen“ ist im Bildungsbereich bisher durch die pädagogische Fixierung auf interpersonelle Beziehungen sowie auf das informelle System „Schulunterricht“ verhindert worden. Hohe Formalisierung schafft günstigere Bedingungen für institutionelle Lernprozesse: weil Entscheidungsinhalte und Entscheidungs­prozesse in höherem Masse sichtbar, legitimationsbedürftig und intentional gestaltbar werden. Je spezifischer ihre Lehrziele und je messbarer ihre Wirkungen, desto besser kann eine Schule selbsttätig lernen, und desto eher kann sie sich von exogenen Orientierungen und Steuerungen unabhängig machen. Je vielfältiger, dissensualer und variabler die Ziele, die der Schule zugemutet werden, desto weniger ist sie in der Lage, konsistente Lernprozesse zu vollziehen. Organisationelles Lernen ist nur möglich, wenn Klarheit darüber besteht, welche Ergebnisse schulischer Prozesse (z.B. Lernerfolge) den Motivationen und Fähigkeiten der Schüler bzw. den Kausaleinflüssen der Schule und Lehrer zugerechnet werden können. Weil die die Schule so schlecht endogen (d. h. aus ihren eigenen Erfahrungen) lernen kann., werden Schulreformen immer wieder sehr stark durch exogene (z. B. politische oder ideologische) Einflüsse determiniert.

  • Mängel der Schulausbildung aus Arbeitgebersicht
    In einer Umfrage bei den Personalverantwortlichen von über 2000 Schweizer Industrie- und Dienstleistungsfirmen wurde gefragt, welche Fähigkeiten und Kenntnisse die Grundschulen Schulabgängern im Hinblick auf die Berufslehre stärker als bisher vermitteln sollten.  Unabhängig von der Branchenzugehörigkeit, Firmengrösse, Exportorientierung, Nationalität, Sprachregion sind die Informanten mehrheitlich der Ansicht, dass die Bereitschaft zur persönlichen Eigeninitiative am Arbeitsplatz sowie die innerbetriebliche Kooperationsbereitschaft und Teamfähigkeit im heutigen Schulsystem unzureichend vermittelt würden und in der Schule von morgen deshalb eine vermehrte Förderung verdienten. Dieses Ergebnis stimmt gut mit dem Tenor der internationalen Forschung überein, dass Unternehmen den generelleren „employability skills“ grösseres Gewicht als dem schulischen Fachwissen zumessen würden. Noch grösser ist allerdings der Konsens darüber, dass die Kenntnisse der Realfächer – mit einer gewissen Ausnahme des Wissens über Wirtschaft, Recht und Politik nichts zu wünschen übrig lasse – wobei zwischen naturwissenschaftlichen und kulturellen Fächern interesssanterweise kaum ein Bewertungsunterschied besteht.

  • Hat das duale Ausbildungssystem eine Zukunft? Die ambivalente Einstellung der Schweizer Unternehmen zu aktuellen Berufsbildungsreformen
    In einer schriftlichen Umfrage wurden die Personalverantwortlichen von ca. 2000 Schweizer Industrie- und Dienstleistungsfirmen über ihre Meinung zu zehn in Diskussion befindlichen Reformmassnahmen im Berufsbildungswesen befragt. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass insbesondere Verlängerungen in der Lehrzeit , ein Ausbau des Berufsschulunterrichts und die Einrichtung von Lehrwerkstätten auf weitgehende Ablehnung stösst, während zahlreiche andere Reformen (z. B. die Förderung von Ausbildungsverbünden, Einführungskursen oder der Modularisierung und Berufsmaturität) immerhin bei gut der Hälfte der Unternehmen Unterstützung finden. Allerdings bleibt diese Reformbereitschaft (die sich strikte am Rahmen des dualen Systems orientiert) teilweise auf Firmen ohne eigene Lehrausbildung sowie auf westschweizerische und ausländische Unternehmungen beschränkt.

  • Wissensstrukturen und Berufsstrukturen im gesellschaftlichen Wandel
    Die in Arbeitsprozesse einfliessenden Wissensbestände können nach dem Grade ihrer "Internalität" vs. "Externalität" charakterisiert werden. Völlig "internal" sind z. B. "Intuitionen" und "Begabungen", die untrennbar an ein partikuläres Individuum gebunden sind, völlig "external" sind schriftliche Regelbestände und materielle Technologien, die völlig losgelöst von individuellen Bindungen speicher- und übertragbar sind. Die spezifischen Funktionalitäten und Leistungsgrenzen des Bildungswissens werden auf neue verständlich, wenn man es in seiner Mittelstellung (als semi-externale Wissensform, die gleichzeitig einer individuellen und kollektiven Speicherung unterliegt) begreift.

  • AOL-MIT® or Humboldt redivivus? The promises and illusions of virtual academic education
    Given the pluralistic and decentralized structure of modern universities, the new digital media are implemented in highly divergent ways: thus amplifying the variety and variability of teaching and learning procedures within academic institutions. While “upward digitalization” leads to standardized educational software likely to be developed and distributed by the most influential and potent economic firms and academic institutions (particularly from the US). “Downward digitalization” leads to an empowerment of students by giving them more options to contact teachers, participate in the cooperative production of knowledge, and publish their own works. But they pay for it by a loss of social embedment and of all the “latent” functions traditional residential campuses and face-to-face teaching provide. While academic teachers experience double threat of their traditional status position, they are not likely to become jobless, but they have to adapt by shifting their roles from knowledge transmission to more auxiliary (e. g. supportive and guiding) functions.
     

7. Gemeinde- und Verwaltungssoziologie / Community and Admini-stration

  • Parteipolitische Polarisierungen in lokalen Parteisystemen und kommunalen Exekutiven pdf
    Während die (in der Schweiz auf allen politischen Ebenen) übliche kollegiale Entscheidungsfindung in Mehrparteienexekutiven einerseits eine hohe Polarisierung der Parteien begünstigt, hängt die Funktionsfähigkeit dieser Gremien andererseits davon ab, dass ihre Mitglieder ideologisch und sachpolitisch relativ stark konvergieren. Tatsächlich zeigt sich in einer landesweiten (ca. 4000 Ratsmitglieder aus ca. 2500 Gemeinden umfassenden) empirischen Fragebogenuntersuchung, dass vor allem die Mandatsträger der SP und der SVP (und etwas abgeschwächt auch die Vertreter der FDP) sich im Vergleich zu ihren Parteisektionen stärker zur politischen Mitte hin orientieren. Diese vertikalen Differenzen nehmen (zumindest auf der Ebene sachpolitischer Einstellungen) mit wachsender Gemeindegrösse zu, und die gremieninterne Konvergenz erhöht sich, wenn nicht die FDP, sondern eine der beiden Polparteien im Exekutivgremium dominiert.
     

  • Einflussdefizite der Frauen in kommunalen Exekutiven pdf
    Bei gleicher formeller Stellung pflegen nebenamtliche weibliche Gemeinderäte im Exekutivgremium etwas weniger Einfluss als ihre männlichen Kollegen zu entfalten. Diese in Gemeinden aller Grössenklassen und fast allen Kantonen beobachtbare Regularität zeigt sich vor allem darin, dass sie sich im Gremium weniger häufig einen „überdurchschnittlichen“ Einfluss zuschreiben, während sie sich bezüglich ihrer Fähigkeit, eigene Anliegen durchzusetzen, und bezüglich der dabei erfahrenen (bzw. perzipierten) Widerstände nur wenig von den Männern unterscheiden.  Nur bei Männern hängt der Einfluss wesentlich davon ab, ob sie das Schlüsselrsessort der Finanzen besetzen oder für einen marginaleren Sachbereich zuständig sind. Die Geschlechtsdifferenzen lassen sich  nur zum Teil dadurch erklären, dass Männer häufiger eine hohe Berufsposition innehaben, bereits lange Zeit amtieren und eine weniger linksstehende Politik betreiben.

  • Familiäre politische Prägungen bei kommunalen Exekutivmitgliedern pdf
    Die auf der Basis von 8000 Exekutivpolitikern von Schweizer Gemeinden gewonnenen Befunde bestätigen die traditionsreiche Hypothese, dass Kindheitsprägungen im Elternhaus das politische Verhalten im Erwachsenenalter in erheblichem Ausmass bestimmen. So tendieren Abkömmlinge aus konservativ oder links geprägten Familien stärker als diejenigen aus unpolitischen Milieus dazu, in ihre formelle Amtsrolle ein starkes Interesse an Politik hineinzutragen, als Vertreter einer Parteigruppierung statt als Parteilose zu kandidieren, und in ihrem Ratsgremium – sei es als Präsident oder als gewöhnliches Mitglied - einen überdurchschnittlichen Einfluss zu entfalten. Eine zweite Wirkung  des familiären Herkunftsmilieus besteht darin, ideologische Grundorientierungen, Parteipräferenzen und spezifische sachpolitische Einstellungen intergenerationell zu übertragen. Wer aus bürgerlichem Elternhause stammen, wird sich später auf der Links-Rechts-Skala mit über 80% Wahrscheinlichkeit rechts vom Mittelpunkt verorten und – wenn wenn überhaupt einer Partei beigetreten wird - zu einem Anteil von fast 85% eine bürgerliche Gruppierung wählen. Und wer – immer nach eigenen Angaben – einem „linken Milieu“ entstammt, wird mit einer Chance von ebenfalls 80% links von der Skalenmitte politisieren und sich in immerhin zwei Dritteln aller Fälle mit einer Partei des linken Spektrums assoziieren. Sowohl bezüglich des politischen Engagements wie der ideologischen Einstellungen kann man feststellen, dass sich Frauen und höher Gebildete etwas stärker vom Einfluss ihres Elternhauses emanzipieren.

  • Wer regiert unsere Gemeinden? pdf
    Diese Titelfrage muss aufgrund der regionalen und kantonalen Besonderheiten einerseits und der vielgestaltigen demographischen und organisatorischen Verhältnisse in den Gemeinden andererseits eine sehr differenzierte Antwort finden So kann man z. B. feststellen, dass niedrigere Berufsschichten im französischen  Sprachraum sehr viel stärker vertreten sind als in den Exekutiven der deutschen und italienischen Schweiz, dass mit zunehmender Gemeindegrösse die Anteile akademisch Gebildeter und Teilzeitbeschäftigter zunimmt, und dass sich in stadtfernen Regionen mehr Vertreter jüngerer Altersgruppen als in Agglomerationsgemeinden finden. Überraschend gross sind allerdings auch die Gemeinsamkeiten, die über alle Verschiedenheiten der politischen Kultur und der sozio-ökonomischen Bedingungen hinweg erkennbar sind. In diesem Sinne zeigt sich zum Beispiel, dass die junge Generation (unter 35) überall nur minimal vertreten ist, dass der Anteil der Frauen nach wie vor (vor allem bei beim Präsidialamt) deutlich niedriger liegt als in den Parlamenten, dass Selbständigerwerbende weit überproportional vertreten sind und die meisten  bereits sehr lange (ca. 30% gar seit ihrer Geburt) in der jetzigen Gemeinde wohnen.

  • Die Arbeitsbelastung von Milizpolitikern
    Da die Arbeitszeit von Milizpolitikern keiner formalen Festlegung unterliegt, ist damit zu rechnen, dass sie durch eine Vielfalt von variablen Faktoren  beeinflusst wird, wie sie sich aus den objektiven Rollenanforderungen des Amtes einerseits und den persönlichen Eigenschaften und Verhältnissen (Motivation, Qualifikation, Abkömmlichkeit u. a.) andererseits ergeben.  Wenn der unbestreitbare Vorteil (für die Gemeinde) darin besteht, dass der Arbeitseinsatz flexibel der wechselnden Quantität, Vielfalt und Komplexität der Aufgaben angepasst werden kann, so bleibt das Rollenengagement andererseits an idiosynkratische individuelle Gegebenheiten gebunden, die sich der intentionalen politisch-administrativen Steuerung und Kontrolle entziehen. Die empirischen Ergebnisse zeigen allerdings, dass die objektiven Situationsbedingungen bei weitem dominieren: vor allem in kleineren Gemeinden, wo jenseits der dauernd anfallenden administrativen Verpflichtungen kaum ein Spielraum für eigene Rollengestaltung besteht.

  • Zwischen Ehren- und Nebenamt. Wieviel verdienen kommunale Exekutivmitglieder im Kanton Zürich?  pdf
    Die summarische Hochrechnung ergibt, dass die Räte jährlich für ca. 650 000 geleistete Arbeitsstunden mit rund 30 Mio. Franken (d. h. mit 46 Fr pro Stunde) entschädigt werden. Unabhängig vom Arbeitsaufwand wird die Honorierung vor allem durch die Gemeindegrösse bestimmt.
     

  • Wenig profilierte Parteilose in den Gemeindeexekutiven
    Insgesamt ergibt sich der Schluss, dass das Vordringen der Parteilosen in den Gemeindebehörden keineswegs als Erstarken einer neuen, von Parteien unabhängigen Kommunalpolitik, sondern eher als Begleiterscheinung einer voranschreitenden lokalen Depolitisierung gewertet werden muss. Viele Parteilose sind zumindest insofern „Lückenbüsser“, als sie mit ihrem Mandat kaum politische Ambitionen verbinden. Nur 13% von ihnen haben jemals in ihrem Leben einer politischen Partei angehört, 52% haben nie vorher ein politisches Amt innegehabt, und über 96%(!) teilen die Ansicht, Gemeindepolitik würde ohne Parteien ebenso gut funktionieren. Sehr viel häufiger als Parteigebundene (vor allem bürgerlicher Provenienz) stammen sie auch aus Familien, in denen keine politische Gesinnung vermittelt wurde und kein Elternteil jemals politisch aktiv war. Leider wird die mangelnde politische Motivation und Erfahrung der Parteilosen auch keineswegs hinreichend durch andere nützliche Qualifikationen kompensiert. Sowohl in Bereichen der Organisation und Führung wie auch im Feld der Finanzen und des Rechts bringen sie eher weniger Kenntnisse als Parteivertreter mit, bereichern die Gemeindeorganisation allerdings häufig mit technischen Kenntnissen, wie sie sonst relativ teuer durch Beanspruchung externer Expertise oder die Anstellung von Spezialbeamten beschafft werden müssten.

  • Zwischen Aufgabenzuwachs und Autonomieverlust
    Der moderne Staat ist immer mehr auf leistungsfähige Gemeinden angewiesen, weil ein immer grösserer Teil aller öffentlichen Aufgaben dezentral erledigt werden muss. Dadurch verlieren die Gemeinden einerseits in vielen Bereichen ihre angestammte Autonomie. Andererseits aber gewinnen sie neue Handlungsspielräume, wenn sie im Umgang mit Kanton und Bund Geschick beweisen und die zusätzlichen überlokalen Ressourcenquellen für ihre eigenen Zwecke nutzen. 

  • Die kommunale Milizverwaltung - Zukunfts- oder Auslaufmodell?
    In der Schweiz hat sich dank der kleinräumigen kommunalen Struktur eine mit dem Bürokratieprinzip stark kontrastierende Form der Milizverwaltung erhalten, die eine breite Partizipation der Bevölkerung an politischen Exekutivaufgaben sichert und gerade auch unter modernen gesellschaftlichen Bedingungen vielfältige Funktionen (z. B. für die primäre Sozialisation politisch Aktiver, für die Mobilisierung von Expertise und für die Legitimation von Entscheidungen) erfüllt. Andererseits wird heute die Rekrutierung der Milizämter schwieriger, und es werden zunehmend individuelle und organisatorische Leistungsgrenzen sichtbar, die vielfältige Reformmassnahmen erzwingen.

  • Sind Gemeindeangelegenheiten "politisch"?
    Kommunale Entscheidungsangelegenheiten werden von den lokalen Parteien überwiegend (und im Zeitraum 1989 bis 2002 zunehmend) als "unpolitisch" charakterisiert. Im besonderen gilt dies für Parteien, die in kleineren Gemeinden angesiedelt sind, keiner überlokalen Parteiorganisation angehören und über eine Mehrheit der Wählerstimmen verfügen. Eine eher "politische" Auffassung von Kommunalpolitik vertreten hingegen minoritäre Linksparteien: vor allem wenn sie über eine gebildetere Anhängerschaft verfügen und dem Programm der Kantonalpartei eine hohe Bedeutung beimessen.

  • Der konfessionelle Faktor in der Lokalpolitik
    Angesichts der Rückläufigkeit religiöser Glaubensweisen und Lebenspraktiken, des schwindenden Einflusses der Kirchen und des völligen Fehlens manifester konfessioneller Konflikte erscheint es hoffnungslos unzeitgemäss, die Konfession ins Zentrum einer soziologischen oder politologischen Analyse zu setzen.Die vorliegenden Ergebnisse legen aber den Schluss nahe, dass es zumindest auf der kommunalpolitischen Ebene noch signifikante konfessionelle Divergenzen gibt, die mit der Basishypothese, dass im katholischen Milieu eine eher „kommunalistische“ und im protestantischen Bereich eine eher „individualistische“ politische Kultur vorherrsche, in Uebereinstimmung stehen.So lässt sich zeigen, dass Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung zahlreichere und mitgliederstärkere Lokalparteien besitzen, die in breiterem Umfang auch jüngere Alterskohorten und Angehörige niedrigerer Sozialschichten integrieren, auf der Führungsebene eine höhere Aktivität und eine komplexere Organisation ausbilden und in der Gemeindepolitik eine stärkeren Einfluss (vor allem auch auf die Besetzung kommunaler Exekutivämter) entfalten. Ebenso bestätigt sich die Vermutung, dass Protestanten eher direktdemokratischen Prozessen den Vorzug geben, die mit zahlreichen jährlichen Parteiversammlungen einhergehen, während Katholiken einer eher „oligarchischen“ Organisation zuneigen, indem sie den Aktivitätsschwerpunkt auf die Ebene der Führungsgremien verlagern.

  • Die formale politisch-administrative Organisation der Schweizer Gemeinden1 (1997)
    Vergleichende empirische Analysen zeigen, dass die Gemeinden je nach Grösse und Sprachregion sowohl die Struktur ihrer Legislative und Exekutive wie auch ihres Kommissionswesens und ihrer professionellen Verwaltung sehr unterschiedlich ausgestaltet haben. Der Text gibt detaillierte Auskünft über den Ausbau der ehrenamtlichen und beruflichen Behörden- und Vollzugsorgane und diskutiert die aktuelle Problematik des traditionellen Milizsystems, das immer noch selbst in den Städten eine unentbehrliche Stellung einnimmt.

  • Von der "projektiven" zur "reaktiven" Kommunalpolitik (1998)  
    Im Vergleich zu den 60er und 70er-Jahren haben die Spielräume für neue langfristige Projekte und Planungen stark abgenommen, und der optimistische Glaube, durch umfassende Strategien die Gemeindeentwicklung fördern und das Auftreten von Problemen verhindern zu können, hat sich verflüchtigt. Stattdessen hat überall eine defensive, reaktive "Reparaturmentalität" überhandgenommen, die wenig Raum für die Verwirklichung neuer Ideen bietet.
    Immer mehr werden die Gemeinden auch als "letzte Auffangstationen" für Problemfälle in Anspruch genommen, die durch das Versagen der überlokalen Institutionen entstanden sind.

  • Demokratie oder Effizienz? Regeltreue oder Bürgernähe? (1997)
    Im Unterschied zu den Privatunternehmen müssen die öffentlichen Verwaltungen eine Vielzahl widersprüchlicher Ziele verfolgen. Man verlangt von ihnen, dass sie den demokratischen Volkswillen beachten, mit minimalem Kostenaufwand arbeiten, die Rechtsregeln strikte beachten und flexibel auf die Bedürfnisse der einzelnen Bürger eingehen können. Weil die Ansprüche der Oeffentlichkeit in alle vier Richtungen gleichzeitig zunehmen, sehen sich die Verwaltungen immer mehr vor unvereinbare Leistungserwartungen gestellt. Entsprechend gehen die Meinungen immer mehr auseinander, wie eine "optimale" Verwaltung auszusehen habe.

  • Vom hoheitlichen zum kooperativen Vollzugshandeln
    Die Gemeindeverwaltung steht unmittelbarer als die Kantons- und Bundesverwaltung unter dem Zwang, im Vollzughandeln den Erwartungen und Bedürfnissen der Bürger(innen) sowie der kommunalen Vereinigungen und Organisationen Rechnung zu tragen. Immer häufiger gibt es Aufgaben, die nur in enger Kooperation mit privaten Instanzen gelöst werden können. Dadurch beginnen die Grenzen zwischen staatlicher und nichtstaatlicher Sphäre unschärfer zu werden, weil die Gemeinde einerseits einem privaten Betrieb ähnlich wird, während manche privaten Akteure andererseits einen "parastaatlichen" Status zugewiesen erhalten. 

  • Die Beziehungen der Gemeinde zur kantonalen Ebene
    Die Ergebnisse einer gesamtschweizerischen Untersuchung gibt Aufschluss, wie sich die Kooperations- und Abhängigkeitsbeziehungen der Gemeinden zu den Kantonen im Zeitraum 1984 bis 1994 verändert haben. Es zeigt sich, dass die Mehrzahl der Gemeinden in dieser Periode gleichzeitig eine Zunahme der kommunalen Aufgaben und eine Verringerung der kommunalen Autonomie registrieren. Gleichzeitig bestätigen sich aber auch die differenzierenden Hypothesen der "Politikverflechtungstheorie", die besagen, dass die Gemeinden als Folge dieser eben genannten Doppelentwicklung keineswegs nur eine Einengung angestammter Handlungsspielräume, sondern auch eine gewisse Expansion neuer Spielräume erfahren. Erwartungsgemäss werden derartige Entwicklungen auch durch Eigenheiten der Gemeinde und ihres politischen Umfelds mitbeeinflusst. So zeigt sich, dass wohlhabendere und in kleineren Kantonen beheimatete Gemeinden besonders gut in der Lage gewesen sind, ihren angestammten Autonomiespielraum beizubehalten oder gar zu expandieren.

  • Antizipierte Auswirkungen eines Beitritts der Schweiz zur EU auf die Schweizer Gemeinden
    Die Chefbeamten (Schreiber) der Schweizer Gemeinden unterscheiden sich stark darin, welche Auswirkungen eines möglichen Schweizer EU-Beitritts auf ihre Gemeinde sie antizipieren. Angesichts der bekannten demoskopischen Befunde und Abstimungsergebnisse überrascht nicht, dass im deutschen Sprachraum die negativsten und in der französischen Schweiz die positivsten Meinungen bestehen, während das Tessin eine - generell eher der Deutschschweiz ähnelnde - Mitttelstellung einnimmt. Im Vergleich zur Sprachregion, Bevölkerungsgrösse und geographischen Lage bleibt die kausale Bedeutung anderer Faktoren gering. Im besonderen gibt es keine Hinweise dafür, dass Gemeinden mit gut ausgebildeter und wohlhabender Bevölkerung und/oder mit moderner Wirtschaftsstruktur der Frage einer europäischen Integration der Schweiz offener gegenüberstünden.

  • Lokalparteien als kommunalpolitische Akteure
    Trotz ihrer geringen Grösse besitzen die Schweizer Gemeinden aussserordentlich zahlreiche lokale Parteisektionen, die überwiegend den vier landesweit operierenden Parteien FDP, SVP, CVP und SVP angehören und den grössten Teil aller formalen Amtspositionen besetzen. Mit wachsender Gemeindegrösse nimmt ihre Integrations- und Mobilisierungskraft zwar ab, ihr kommunalpolitisches Aktivitäts- und Einflussniveau aber beträchtlich zu.
     

8. Politik und Parteien / Politics and Political Parties 

  • Comparing Political Executives Recruited by Proportional and Majoritarian Rules of Election 
    On the basis of survey data including about 50% of all members of Swiss municipal executives, it is found that election rules (proportional vs. majoritarian) have manifold impacts on the communal party systems and executive recruitment processes as well as the behavioral dispositions of the incumbents, the activities of the board as well as its position in the community and its political outputs. In particular, it is found that proportional rules go along with more diversified party systems and higher party involvement in recruitment and campaigning, broader representation and larger size of board as well as higher levels of voting turnout, while majoritarian elections are associated with higher qualifications, job commitment and political efficacy of elected incumbents and with more cohesive and politically active boards. As a general trend, many of these regularities are more pronounced in smaller than in middle-sized or larger municipalities: reflecting the basic “consociational” character of Swiss political culture which favors strong parties and multiparty decision making irrespective of electoral rules.
     

  • Familiäre politische Prägungen bei kommunalen Exekutivmitgliedern pdf
    Die auf der Basis von 8000 Exekutivpolitikern von Schweizer Gemeinden gewonnenen Befunde bestätigen die traditionsreiche Hypothese, dass Kindheitsprägungen im Elternhaus das politische Verhalten im Erwachsenenalter in erheblichem Ausmass bestimmen. So tendieren Abkömmlinge aus konservativ oder links geprägten Familien stärker als diejenigen aus unpolitischen Milieus dazu, in ihre formelle Amtsrolle ein starkes Interesse an Politik hineinzutragen, als Vertreter einer Parteigruppierung statt als Parteilose zu kandidieren, und in ihrem Ratsgremium – sei es als Präsident oder als gewöhnliches Mitglied - einen überdurchschnittlichen Einfluss zu entfalten. Eine zweite Wirkung  des familiären Herkunftsmilieus besteht darin, ideologische Grundorientierungen, Parteipräferenzen und spezifische sachpolitische Einstellungen intergenerationell zu übertragen. Wer aus bürgerlichem Elternhause stammen, wird sich später auf der Links-Rechts-Skala mit über 80% Wahrscheinlichkeit rechts vom Mittelpunkt verorten und – wenn wenn überhaupt einer Partei beigetreten wird - zu einem Anteil von fast 85% eine bürgerliche Gruppierung wählen. Und wer – immer nach eigenen Angaben – einem „linken Milieu“ entstammt, wird mit einer Chance von ebenfalls 80% links von der Skalenmitte politisieren und sich in immerhin zwei Dritteln aller Fälle mit einer Partei des linken Spektrums assoziieren. Sowohl bezüglich des politischen Engagements wie der ideologischen Einstellungen kann man feststellen, dass sich Frauen und höher Gebildete etwas stärker vom Einfluss ihres Elternhauses emanzipieren.
     

  • Self-guided and Party-guided Ideological Orientations
    In a study comprising about 8000 members of Swiss municipal executive boards, it was analyzed to what degree self placements on the left right scale were based on self-guided judgments (=opinions about specific issues) or on party-guided impacts (= ideological standing of respective parties). Using multivariate linear regressions, it was found both couplings were far more pronounced on the left side on the political spectrum than on the center and to the right. Party guidance correlates positively with community size with the size of the executive, the communal influence of local parties and the application of  proportional (instead of majoritarian) election rules. In addition, it was higher in the case of incumbents highly supported by parties in election campaign and occupying formal intraparty positions. On the other hand, self-guided ideologization is over average in the case of incumbents with university degrees, high political interest and those give more weight to “personal conviction” than to public opinion, party positions or other board members when they make their political decisions. Finally, some indications were found that the levels of self-guided as well as party-guided ideology are lowered by the “pragmatic pressures” associated with consociations democracy and collegial decision making within the boards, but that both ideological orientations may be on the rise in younger generations.
     

  • Linke Frauen in der Kommunalpolitik  
    In Übereinstimmung mit früheren Untersuchungen damit hat auch die vorliegende Studie über kommunale Exekutivmitglieder zum Ergebnis geführt, dass Frauen signifikant weiter links als Männer politisieren, indem sie einerseits bevorzugt für linksstehende Parteien kandidieren, andererseits aber auch innerhalb der meisten Parteien sich häufiger auf dem linken Ast der Skala verorten und im breiten Spektrum konkreter sachpolitischer Vorlagen eher linke Positionen unterstützen. Die Ubiquität dieser Geschlechterdivergenz (die klassenspezifische Differenzen bei weitem übertrifft)  zeigt sich hinreichend darin, dass sie sich auf alle drei Sprachregionen sowie auf ländliche und städtische Gemeinden aller Grössenklassen erstreckt, alle Bildungsniveaus und politischen Herkunftsmilieus einbegreift und sich innerhalb fast aller Parteien  manifestiert. Und ihre Stabilität erweist sich daran, dass sich in fast allen Altersgruppen (am schwächsten allerdings bei den jüngeren Kohorten) vorfindet. Eindeutig unterstützt wird sie durch die Expansion der formalen Bildung: weil Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen besonders drastisch nach links rücken und in ein erhöhtes Polarisierungsverhältnis zu den Männern treten, deren politische Positionen eher vom elterlichen Herkunftsmilieu als vom Bildungsweg abzuhängen scheinen.

  • Educated, urbanized - and Narrow-minded?   html     pdf
    This paper aims to explore the strength and causal determinants of ideological thinking within political parties. The degree of “ideologization” includes two dimensions: “horizontal couplings”, as they are manifested in intercorrelations between different beliefs or opinions; and “vertical couplings” as they appear in the degree to which specific beliefs are related to more abstract concepts like “left” and “right” The results presented show shockingly high trends of ideologization at least on the left-center section of the spectrum, especially in the vertical dimension. Urbanization stands out as a major causal factor: On both sides of the spectrum, ideological constraints are significantly higher in larger than in smaller communities, and more pronounced in suburban settings than in villages far from the next city. Only in rather small communities, it is found that ideologization correlates positively with the educational level and the modern occupational background of party members, with the exposition of the local sections to the programs of supralocal mother parties, and with the number of other local parties with which they have to compete. In communities of given site, ideological thinking is more pronounced when parties possess a small share of political power (or none at all). Finally, there is evidence that ideological constraints in party policy has increased since the late eighties of the last century, and that it may increase further because younger age cohorts are more prone to clustering issue positions tightly and for relating them closely to abstract notions of “left” and “right”. In contradiction to most conventional wisdom, we may tentatively conclude that political thinking is more “rational” (or at least more flexible and pragmatic) at the peripheries than in the more central spheres of modern societies.

  • Rising Tides of Ideological Simplifications    pdf
    This article explores the strength and causal determinants of ideological thinking within Swiss local political parties. The concept of "ideologization" refers to (1): "horizontal couplings", as they are manifested in intercorrelations between different opinions, and to (2) "vertical couplings" of specific opinions to abstract concepts of "left" and "right". Results show high ideologization on the left-center section of the LR-scale, especially in the vertical dimension. On both sides of the spectrum, ideological constraints are significantly higher in larger communities than in than in smaller ones. Only in rather small communities, does ideologization correlate positively with the educational level, the modern occupational background of party members and the number of other local parties with which they have to compete. In communities of given size, ideological thinking is more pronounced when parties possess a small share of political power. Finally, it is found that ideological constraints have increased somewhat between 1989 and 2002.

  • Gibt es feminine Parteien?   html    pdf
    Eine komparative Analyse von 2500 Schweizer Lokalparteien führt zum Ergebnis, dass sich Sektionen mit hohem Frauenanteil durch eine höhere Intensität der Binnenkommunikation und etwas dezentralere Machtverhältnisse von männerdominierten Gruppierungen unterscheiden. Ebenso sind sie etwas stärker geneigt, in Bereichen der Sozial-, Jugend- Bildungs- und Gesundheitspolitik auf eigene Initiative tätig zu werden und eine breite Palette von linken politischen Anliegen stärker zu unterstützen. Während für die organisatorischen Effekte in erster Linie die Frauenanteile bei den Parteiaktiven und im Parteivorstand massgebend sind, scheinen die ideologisch-sachpolitischen Wirkungen eher von der Zusammensetzung der breiteren Anhängerschaft auszugehen.

  • Einbruch der Mitte und Linksdrift der Frauen html   pdf
    Neue Bevölkerungsumfragen zeigen, dass sich in der Schweiz –anders als in den meisten übrigen europäischen Ländern - seit den 1990er Jahren eine zunehmende ideologische Kluft zwischen den Geschlechtern geöffnet hat. Besonders gilt dies für die gebildeteren Schichten, wo die Frauen nach links gerückt sind, während sich die Männer immer häufiger rechts von der politischen Mitte verorten.

  • Ausdünnung der politischen Mitte? Ideologische Bewegungen in der Zürcher Parteienlandschaft  
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    Der Kanton Zürich weist ein ideologisch besonders polarisiertes Parteienspektrum auf, und die Divergenzen haben sich (vor allem durch den Rechtskurs der kantonalen SVP) seit 1989 noch stärker akzentuiert. Andererseits sind in der Sachpolitik (zumindest auf lokaler Ebene) auch Annäherungsprozesse in Gang gekommen, die sich auf die zukünftige Parteienkooperation positiv auswirken könnten.

  • Frauen als Stützen linker Parteipolitik    html           pdf
    Es zeigt sich, dass lokale Parteisektionen mit hohem Frauenanteil über die ganze Bandbreite sachpolitischer Themen und über alle Parteiorganisationen hinweg linkere Positionen als männerdominierte Gruppierungen vertreten, und dass dieser Zusammenhang zwischen 1989 und 2002 eine erhebliche Verstärkung erfuhr. In erster Linie sind die  Geschlechterverhältnisse innerhalb der breiten Anhängerbasis (und in zweiter Linie innerhalb der Parteiaktiven) dafür verantwortlich, während die Frauenquoten in den formellen Führungsgremien zwar 1989 noch relevant waren, heute aber kaum mehr von Bedeutung sind. So haben die Frauen die politische Parteienpolarisierung einerseits abgeschwächt, indem sie den Rechtsdrall der bürgerlichen Parteien abgemindert haben, andererseits aber auch verstärkt, insofern sie innerhalb der Sozialdemokratie eine kompromisslosere Linkspolitik unterstützen.

  • Parteienkonkurrenz als Determinante innerparteilicher Organisation      html         pdf
    Die Ergebnisse zeigen, dass zahlreiche organisatorische Strukturmerkmale und Aktivitäten von der Intensität der kommunalpolitischen Parteienkonkurrenz mitbeeinflusst werden.  Analog zu Firmen auf kompetitiven Absatzmärkten sind auch Parteien im Wahlkampf genötigt, eine “harte Linie” zu fahren, indem sie ihre Strukturen formalisieren und ihre zentralisierten Systemkontrollen verstärken, die Intensität ihrer Binnenaktivitäten und Kommunikationsprozesse erhöhen und von ihren Mitgliedern relative hohe materielle “Opfer” verlangen. Umgekehrt sehen sie bei hoher Konkurrenz um Mitglieder und Kandidaten eher zu einer "weichen Linie" genötigt: indem sie ihre Attraktivität für Neueintretende dadurch steigern, dass sie die Strukturen eher dezentral und informell belassen, die finanziellen Beitragspflichten auf bescheidenem Niveau behalten und den Mitgliedschaftsstatus nicht mit allzu umfangreichen Teilnahmepflichten (an Sitzungen und anderen Aktivitäten) verbinden.

  • Immer mehr Wettbewerb unter den lokalen Parteien?    html          pdf
    In den meisten (selbst sehr kleinen) Gemeinden wird von den Lokalparteien eine zumindest moderate Form des Wettbewerbs aufrechterhalten, der sich nicht nur auf die Bestellung des Gemeindepräsidiums und der Exekutive, sondern auch auf die Rekrutierung subordinierterer politischer Ämter (z. B. in der Schulpflege und verschiedenen Spezialkommissionen) erstreckt. Der im Untersuchungsintervall zwischen 1989 und 2002 stattgefundene Wandel ist insgesamt geringfügig, lässt aber doch eher auf eine Verstärkung als eine Abschwächung der Parteienkonkurrenz schliessen. So hat sich der Prozentanteil der Gemeinden erhöht, in denen die Besetzung der formellen politischen Aemter überhaupt keinem Wettbewerb unterliegt, und zahlreichere Parteien berichten von prekären Wahlergebnissen, die in einer nur knappen Wiederwahl oder gar einem einen Sitzverlust resultierten. Andererseits hat sich die Intensität der Parteienkonkurrenz in der subjektiven Wahrnehmung der Informanten keineswegs erhöht.

  • Die Demontage der Führungsstrukturen in lokalen Parteien    html           pdf
    Die lokale Organisationsebene der Schweizer Parteien unterliegt seit Ende der 80er-Jahre einem Erosionsprozess, der in einer Rückbildung formaler Strukturdifferenzierungen ihren Ausdruck findet. Erstens gibt es bei kleineren und kleinsten Parteisektionen (auch in städtischen Milieus) eine Tendenz, auf ein kollektives Führungsgremium völlig zu verzichten: so dass sich die gesamte Parteiaktivität im polaren Spannungsfeld zwischen Parteipräsident und Parteiversammlung vollzieht. Zweitens lässt sich eine breite Tendenz zur personellen Verkleinerung der Vorstandsgremien konstatieren: insbesondere bei grösseren Parteien städtischer Gemeinden, die ihre Führungsgremien um durchschnittlich 3-4 Mitglieder reduzieren. Drittens findet man im oberen Segment besonders grosser und aktiver Parteien eine wachsende Tendenz, auf die Ausbildung eines - den Präsidenten unterstützenden - "Geschäftsleitungsgremiums" zu verzichten, das den Vorstand von laufender Führungs- und Administrationsarbeit entlastet.

  • Die erodierende Mitgliederbasis der Zürcher Parteien    html          pdf
    Gemäss einer neuen empirischen Untersuchung haben die Zürcher Parteien seit Ende der 80er-Jahre einen deutlichen Rückgang ihrer aktiven Anhängerschaft (vor allem männlichen Geschlechts) erfahren. Angesichts der damit einhergehenden Ueberalterung stellt sich die Frage, ob die Parteien den Anschluss an die politische Aktivität der Jungwähler zu verlieren drohen, und ob in Zukunft noch ausreichende Rekrutierungsfelder für Parteiämter und politische Mandate zur Verfügung stehen werden.

  • Am Ende der bürgerlichen Gemeinsamkeiten? Aktuelle Entfremdungssymptome zwischen der FDP und der SVP       html         pdf
    Ungeachtet ihrer oft prononcierten Konflikte in der Bundes- und Kantonspolitik erscheinen FDP und SVP in ihren politischen Positionierungen nach wie vor als durchaus ähnlich, wenn man das Einstellungsprofil ihrer lokalen Anhängerschaften und Parteisektionen betrachtet.

  • Sind Gemeindeangelegenheiten "politisch"?      html      pdf
    Kommunale Entscheidungsangelegenheiten werden von den lokalen Parteien überwiegend (und im Zeitraum 1989 bis 2002 zunehmend) als "unpolitisch" charakterisiert. Im besonderen gilt dies für Parteien, die in kleineren Gemeinden angesiedelt sind, keiner überlokalen Parteiorganisation angehören und über eine Mehrheit der Wählerstimmen verfügen. Eine eher "politische" Auffassung von Kommunalpolitik vertreten hingegen minoritäre Linksparteien: vor allem wenn sie über eine gebildetere Anhängerschaft verfügen und dem Programm der Kantonalpartei eine hohe Bedeutung beimessen. 

  • Wachsende politische Einbindung der Lokalsektionen in überlokale Parteiorganisationen   html      pdf
    1989 haben 36% aller lokalen Parteisektionen angegeben, dass sie das Programm ihrer Kantonalpartei in ihrer konkreten politischen Tätigkeit ein „hohes Gewicht" beimessen würden. 2002 hat sich dieser Anteil auf 47% erhöht. Unverändert hoch ist der Vorsprung der Sozialdemokraten, während die CVP ihr geringes Konformitätsniveau unverändert beibehalten hat. Dieser Wandel ist allein auf Entwicklungen im deutschsprachigen Raum zurückzuführen, wo sich der Einfluss der Kantonalparteien auf ihre örtlichen Sektionen dem hohen Niveau in der Romandie angenähert hat, während sich diese überlokalen Einflüsse im Tessin umgekehrt sogar zurückgebildet haben. Ebenso hat eine Angleichung zwischen grösseren und kleineren Kantonen stattgefunden: in dem Sinne, dass es den Parteien grosser Kantone in den letzten Jahren gelungen ist, die Loyalität ihrer Ortssektionen zu erhöhen.

  • Wer engagiert sich noch für die Umwelt?    pdf
    Die meisten Umweltfragen haben zu Beginn der 80er-Jahren ihr Maximum an öffentlicher Aufmerksamkeit erlebt und haben seither - obwohl sie meistens ungelöst geblieben (und objektiv nicht selten noch viel gravierender geworden) sind, konstant an Interesse und Bedeutung verloren. In den vorliegenden empirischen Befunden drückt sich dies darin aus, dass lokale Parteisektionen aller ideologischer Richtungen im Zeitraum 1989 bis 2002 ihre Unterstützung für Umweltschutzanliegen reduziert haben: sogar die Grünen selbst, die heute weniger bereit sind, Umweltschutz auf Kosten wirtschaftlicher Nachteile zu betreiben. Allerdings konzentriert sich dieser Wandel weitgehend auf die Parteien der Mitte und des rechten Lagers, während linke Gruppierungen ausschliesslich im deutschen Sprachraum eine Abwendung von der Oekopolitik vollzogen haben.

  • Lokalparteien als kommunalpolitische Akteure html
    Trotz ihrer geringen Grösse besitzen die Schweizer Gemeinden aussserordentlich zahlreiche lokale Parteisektionen, die überwiegend den vier landesweit operierenden Parteien FDP, SVP, CVP, und SVP angehören und den grössten Teil allr formalen Amtspositionen besetzen. Mit wachsender Gemeindegrösse nimmt ihre Integrations- und Mobilisierungsklraft zwar ab, ihr kommunalpolitisches Aktivitäts- und Einflussniveau aber beträchtlich zu.

  • Das Internet und die partiinterne Demokratie   html   pdf
    Die neuen digitalen Informations- und Kommunikationsmedien haben im Bereich der Schweizer Lokalparteien bereits eine erstaunlich breite Anwendung gefunden. Mehr als 30% aller Ortsgruppierungen sind auf dem WWW mit einer eigenen Homepage vertreten, und bei mehr als 76% von ihnen hat sich die E-Mail als neues Kommunikationsmedium eingebürgert: in erster Linie als Arbeitsinstrument des Parteivorstands, in zweiter Hinsicht als umfassendes Integrationsinstrument zwischen Führung und Mitgliederbasis. 
    Die Resultate weisen darauf hin, dass die neuen Kommunikationsmedien die Einflussverhältnisse in den Parteien mitbeeinflussen könnten. Vor allem scheinen kollektive Führungsgremien („Parteivorstände“) in der Lage zu sein, die Onlinekommunikation zur Steigerung ihrer Beratungs- und Entscheidungskapazitäten (und damit: zur Erhöhung ihrer Autoritätsstellung) zu nutzen – ohne dass sich aber dadurch die Einflussstellung der übrigen Organe im gleichen Masse verringert.

  • The Internet and internal Party Democracy pdf
    In a large sample of Swiss local party sections, it is found that the extensity of Email usage correlates with patterns of intraparty influence distribution. On the one hand, executive boards exert more power when they rely internally on electronic communication; on the other hand, vertical email traffic (between leadership and ordinary members).promotes small power shifts in favor of the party assembly and the active members. Thus, online communication adds to the conventional power effects associated with the frequency of assemblies and meetings.

  • Rechte Männer und linke Frauen in der FDP pdf 
    Die ideologische und sachpolitische Ausrichtung lokaler FDP-Sektionen wird seit den 80er-Jahren relativ stark durch die Geschlechtszusammensetzung der Anhängerschaft (nicht der Aktivmitglieder) bestimmt. Während männerdominierte Gruppierungen konsistent rechtsbürgerliche Positionen vertreten, tendieren Parteien mit hohem Frauenanteil in vielen Sachfragen eher zur Mitte hin oder gar nach links. Am meisten sind Aspekte der persönlichen Lebensführung und Nahumwelt betroffen, wie man sie z. B. als Erwerbstätiger, Wohnungsmieter oder als Mitbenutzer öffentlicher Einrichtungen erlebt. Erheblich weniger werden weiter entfernt liegende Problembereiche berührt, die sich auf die sozio-ökonomische Gesellschaftsordnung insgesamt, auf die Stellung der Schweiz im internationalen System oder auf ausländische Segmente der einheimischen Bevölkerung beziehen.

  • Der Krebsgang parteiinterner Sitzungs- und Versammlungsaktivitäten pdf
    Das mit seiner weltweit einmaligen Dichte überaus beeindruckende System der Schweizer Lokalparteien ist seit ende der 80er-Jahre in einem schleichenden Niedergang begriffen, der bisher zwar nicht im Absterben formaler Sektionen, sehr wohl aber in ein einem markanten Schwund der Mitglieder sowie - wie hier vorgeführt - einer Ausdünnung innerer Interaktionsprozesse Ausdruck findet. Nicht nur zwischen Stadt und Land und den drei Sprachregionen, sondern auch zwischen links und rechts haben sich die Differenzen reduziert: indem die extrem linken Gruppierungen ihre früher ungewöhnlich rege Versammlungstätigkeit reduziert und sich dem "Courant Normal" etablierter bürgerlicher Parteisektionen angenähert haben.  Schließlich fällt auf, dass die Basisversammlungen einen relativ stärkeren Schwund als die Vorstandssitzungen erfuhren: mit der Folge, dass sich das kommunikative Geschehen und die faktischen Einflusschancen zunehmend von der allgemeinen Mitgliederschaft auf die Führungsorgane (Vorstand und Präsident) verlagert haben.

  • Gibt es in der Schweiz noch konfessionelle politische Kulturen?     html    pdf
    Entgegen theoretischer Erwartungen zeigt sich, dass das Schweizerische Parteiensystem zumindest auf lokaler Ebene nach wie vor durch gewisse konfessionelle Milieus geprägt sind, die im Intervall zwischen beiden Untersuchungen (1989 bis 2002) ihre Determinationskraft beibehalten haben. Vor allem besteht eine geringere Tendenz zur ideologischen Links-Rechts-Polarisierung und eine stärkere Tendenz rechtsstehender Parteien, sachpolitische Positionen des Zentrums (oder gar der Linken) mitzutragen.